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Robben sind die Hauptnahrungsquelle von Eisbären - im Detail verschiebt sich ihre Speisekarte jedoch den klimatischen Bedingungen entsprechend.

(AP Photo/ THE CANADIAN PRESS/Jonathan Hayward

Kopenhagen - Die Eisbären in Ostgrönland haben das Glück in einer Gegend zu leben, in der das Meereis noch vergleichsweise lange erhalten bleibt. Dennoch geht pro Jahr knapp ein Prozent der Eisdecke verloren, ein relativ hoher Wert. Die steigenden Temperaturen in der Arktis schlagen sich aber auch in den Ernährungsgewohnheiten der Eisbären nieder, schreiben Forscher in einer Studie im Journal "Global Change Biology".

Die Forscher rund um Rune Dietz von Aarhus Universität in Dänemark untersuchten das Fettgewebe von 310 Eisbären, die von 1984 bis 2011 von den Inuit Ostgrönlands erlegt worden waren. Die Zusammensetzung der Fettsäuren gab Aufschluss, was die Bären in den letzten Jahrzehnten zwischen die Zähne bekamen.

Die Analyse zeigt, dass sich die Tiere hauptsächlich von drei verschiedenen Robbenarten ernährten: von den in der Hocharktis verbreiteten Ringelrobben sowie von den subarktischen Sattelrobben und Mützenrobben; im Lauf der Zeit verschob sich aber die Zusammensetzung der Fettsäuren: Der Anteil der Ringelrobben in der Eisbärennahrung ging zugunsten der subarktischen Arten um 42 Prozent zurück. Außerdem konnten die Forscher feststellen, dass die Bären heute besser genährt sind als vor 30 Jahren.

Die gute Nachricht ist also, dass sich die Tiere an das Nahrungsangebot, das das wärmere Klima mit sich bringt, anpassen. Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass die Bären damit auch mehr schwer abbaubare organische Schadstoffe aufnehmen, die die subarktischen Robben in sich tragen. Der Grund dafür ist, dass sie näher an industrialisierten Gebieten leben und in der Nahrungskette weiter oben vertreten sind, erklärt Dietz. Insofern unterminiere der Klimawandel den positiven Effekt, den jüngste Reglementierungen bei der Verbreitung der Schadstoffe haben sollten.

Die noch schlechtere Nachricht ist aber, dass die Eisbären ohnehin früher oder später den Zugang zu den subarktischen Robben verlieren werden, da die Beutetiere auf die Meereisflächen angewiesen sind. Immerhin: Deutsche Forscher berichteten dieser Tage, dass das Abschmelzen des arktischen Meereises heuer weniger dramatisch ausfiel als im Rekordjahr 2012. Der langfristige Trend einer Abnahme des Eises sei aber ungebrochen. (pum, DER STANDARD, 21.9.2013)