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Angela Merkel lässt sich feiern.

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Ein Regierungsbündnis der Union mit der SPD scheint derzeit am wahrscheinlichsten, auch wenn Peer Steinbrück (links) dieses im Wahlkampf dezidiert ausgeschlossen hat.

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In der Nacht zum Montag waren alle Stimmen zur deutschen Bundestagswahl ausgezählt. Überraschungen brachte die Auszählung keine mehr: CDU und CSU gemeinsam kamen auf 41,5 Prozent der Stimmen. Der bisherige Koalitionspartner FDP schaffte nur 4,8 Prozent und ist damit nicht mehr im Bundestag vertreten. Die SPD wird mit 25,7 Prozent zweitstärkste Partei, an dritter Stelle folgt die Linkspartei mit 8,6 Prozent der Stimmen, dicht gefolgt von den Grünen mit 8,4 Prozent.

Sonntagabend sah es kurz danach aus, als könnte die Union die absolute Mehrheit an Mandaten erreichen. Diese Option ist mit der Veröffentlichung des Endergebnisses vom Tisch: Die Unionsparteien stellen gemeinsam 311 der 630 Mitglieder des neuen Bundestags. Mit dieser Ausgangslage beginnen in den kommenden Tagen die Verhandlungen zur Regierungsbildung. Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hat im Grunde zwei Optionen: eine große Koalition oder eine Zusammenarbeit mit den Grünen als kleiner Koalitionspartei. Die Linke schloss die Union als Koalitionspartner aus, diese Variante hat auch in der Bevölkerung keine Unterstützung. Theoretisch wäre auch eine Minderheitsregierung eine Möglichkeit.

Distanz von SPD und Grünen

Wie schwierig es für Merkel werden könnte, zeigen die ersten Reaktionen von SPD und Grünen: SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte am Montag im ARD-"Morgenmagazin", es gebe "überhaupt keinen Automatismus für eine große Koalition". Die grüne Fraktionschefin Renate Künast sagte, sie könne sich Schwarz-Grün "trotz extremer Fantasie" nicht vorstellen. Auf eine bevorzugte Variante hat sich Merkel bisher nicht festgelegt. Merkel teilte am Montag nach Beratungen der CDU-Spitzen in Berlin mit, dass sie mit SPD-Chef Sigmar Gabriel Kontakt wegen der Sondierung einer möglichen Koalition aufgenommen habe. Gabriel habe sie aber "ausdrücklich gebeten", dass die SPD zunächst am Freitag erst ihren Parteikonvent abhalten wolle. "Das gilt es abzuwarten", sagte Merkel. Schon vor der Wahl wurde spekuliert, dass SPD-Chef Sigmar Gabriel in einer großen Koalition Vizekanzler werden könnte und Steinbrück einen "Schröder" macht. 2005 unterlag der damalige Kanzler Gerhard Schröder Merkel bei der Wahl. In Merkels erstes Kabinett ging er nicht, er verhandelte aber noch die große Koalition aus und versuchte, möglichst viel für die SPD herauszuschlagen.

Am Papier hätte auch die SPD gemeinsam mit der Linkspartei und den Grünen eine Mehrheit. Diese Variante hat die SPD aber mehrfach ausgeschlossen. "Der Ball liegt bei Angela Merkel", sagte SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück Sonntagabend in der Diskussionssendung "Berliner Runde" der ARD. Steinbrück hat eine große Koalition zwar mehrfach ausgeschlossen, aber die kommenden Tage werden zeigen, wie viel diese Wahlkampfansage wert ist.

Besonders bitter war das Ergebnis für die FDP, die zum ersten Mal seit der ihrer Gründung 1949 nicht mehr im Bundestag vertreten sein wird. Die Konsequenzen wurden am Montag gezogen: Der gesamte Bundesvorstand kündigte seinen Rücktritt sein. Ebenfalls nicht im Bundestag vertreten ist die Alternative für Deutschland (AfD), die Partei der Euroskeptiker erreichte 4,7 Prozent der Stimmen. (red, derStandard.at, 23.9.2013)

2005 unterlag der damalige Kanzler Gerhard Schröder Merkel bei der Wahl. In Merkels erstes Kabinett ging er nicht, er verhandelte aber noch die große Koalition aus und versuchte, möglichst viel für die SPD herauszuschlagen.