Stumme Disziplin, extreme Flexibilität und ständige Produktivitäts­steigerungen: Die Apple-Zulieferfirma Foxconn gilt als Synonym für miserable Arbeitsbedingungen. Ihren Produktionsschwerpunkt hat die Firma in China, weit weg in Asien. Doch das System funktioniert auch in der EU, schreibt das Computermagazin c't .

Im tschechischen Pardubice produziert Foxconn Computer für HP. Die Arbeitsschritte sind monoton, der Leistungsdruck ist extrem hoch und die Bezahlung sehr gering. „Der Takt ist dort so hoch, dass die Arbeiter in der Regel nicht miteinander spre­chen, nichts trinken, nicht sitzen können", berichtet c't.

Zwölf-Stun­den-Schichten

Damit Com­puter­­hersteller HP Desk­top-PCs in Hand­arbeit profitabel zusam­men­­­bauen kann, sind an der Montage­linie Zwölf-Stun­den-Schichten üblich – tagsüber und nachts, genau wie in China. Acht-Stunden-Schichten gibt es auch, aber vor allem für die Tschechen. Da ist es nicht verwunder­lich, dass Foxconn viele Wanderarbeiter aus ärme­ren Ländern beschäftigt wie Vietnam und der Mongolei, aber auch aus Bulgarien oder Rumänien. Menschen, die keine Gewerkschaft kennen und keine politische Lobby haben, und die es sich schlicht nicht leisten können, sich zu beschweren.

550 Euro im Monat

Inklusive Boni und Überstunden verdienen Arbeiter 550 Euro im Monat. Das ist zwar deutlich mehr als der tschechische Mindestlohn, aber nur 60 Prozent des landesweiten Durch­schnitts­­lohns. „Deswegen empfindet kein Arbeiter den Bonus als Sonderzahlung, jeder Abzug wirkt wie eine Strafe", erläu­tert Christian Wölbert. Das Bonussystem dient zur Kontrolle und zur Disziplinierung der Belegschaft. Erreicht ein Arbeiter die Stückzahl nicht oder macht er einen Fehler, bekommen alle Arbeiter an dieser Montagelinie den Bonus abgezogen. Noch schlimmer trifft es die sogenannten „Just-in-Time-Arbeitskräfte": Sie sind über Subunternehmen angestellt und verdienen oft nur 120 Euro im Monat.

„Solange aber der schrumpfende PC-Markt so hart umkämpft ist, werden die Hersteller auch weiter­­hin an den Fertigungskosten sparen"

Trotz Kontrollen durch die tschechischen Behörden unter­laufen Subunternehmen viele Bestimmungen und nutzen Gesetzeslücken aus. „Solange aber der schrumpfende PC-Markt so hart umkämpft ist, werden die Hersteller auch weiter­­hin an den Fertigungskosten sparen", resümiert c't. (red, 23.9. 2013)