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Mit mehr in der Geldbörse lässt sich der Ausblick auf den Tegernsee gleich doppelt genießen.

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In Deutschland steigen die Löhne seit 2010 deutlich stärker als in Österreich. Die EU-Kommission geht davon aus, dass die Reallöhne in Deutschland heuer im Schnitt um 0,8 Prozent wachsen. In Österreich sollen sie dagegen um 0,2 Prozent sinken. Gerade bei Lohnstatistiken gilt es aber vorsichtig zu sein. Ökonomen haben große Probleme, Teilzeitkräfte aus der Statistik heraus zu rechnen. Der Trend in Deutschland und Österreich ist trotzdem klar.

"Der deutsche Arbeitsmarkt ist stark, die Beschäftigung steigt. Wachsende Löhne sind das Ergebnis davon", sagt Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. In den Jahren davor lief die Entwicklung genau umgekehrt. In Österreich sind die Reallöhne angestiegen, in Deutschland sind sie stagniert bis geschrumpft. Helmut Hofer, Arbeitsmarktexperte vom Institut für Höhere Studien (IHS), sieht es ähnlich wie Stettes: "Die Deutschen haben sich in der Vergangenheit mit Lohnsteigerungen zurückgehalten. Jetzt können sie wieder mehr zahlen."

Hofer sieht aber auch die niedrigere Inflation in Deutschland als Faktor. Sie drücke die Reallöhne nicht so stark wie in Österreich. Weil in Deutschland der Lebensmittelsektor nicht so stark konzentriert sei wie in Österreich, würden dort auch die Preise weniger stark steigen. "Außerdem gehen die Deutschen überspitzt gesagt wegen ein paar Cents in zwei oder drei verschiedene Geschäfte", sagt Hofer. Die Österreicher seien nicht so preisbewusst. Das merke man auch an der Inflation.

Die Krux mit der Statistik

In den vergangen 15 Jahren hat sich der durchschnittliche österreichische Bruttolohn nicht wesentlich verändert. Der Grund dahinter ist aber mehr die Berechnungsmethode, als die schlechte Bezahlung der Arbeiter und Angestellten. Immer mehr Frauen und Migranten arbeiten in Österreich, viele davon Teilzeit. Dabei verdient man naturgemäß weniger als mit einer Vollzeitstelle. Rechnet man dann aber die Summe aller Löhne zusammen, kommt pro Kopf automatisch weniger heraus.

Um Trends oder die jährliche Veränderung zu analysieren, eignen sich die Bruttolöhne laut IHS-Experte Hofer aber schon. Was ihm an der Entwicklung auch auffällt: "Der Staat nimmt sich immer mehr." Die Spanne zwischen brutto und netto steigt. "Er braucht es aber auch, um das Defizit einzudämmen", sagt Hofer.

Weil die Bruttolöhne pro Kopf alleine aber wenig aussagen, schauen Ökonomen gerne auf das verfügbare Einkommen pro Kopf. Hier sind zwar auch selbstständig Beschäftigte dabei, inklusive Sozialleistungen oder Kapitaleinkünften wie etwa Zinsen, trotzdem ist die Aussagekraft höher. Das verfügbare Einkommen pro Kopf ist in Österreich von 2000 bis 2010 in Summe um über 9,5 Prozent gestiegen, seither wieder um etwas mehr als ein Prozent gesunken. Zum Vergleich: Der Bruttolohn ist in diesem Zeitraum fast gleichgeblieben.

Keine großen Sprünge

Was die nächsten Jahre angeht, sind sich die Ökonomen einig: Große Sprünge wird es nicht geben. "Damit die Löhne wieder stärker steigen können, muss sich auch die Wirtschaft erholen", sagt Helmut Hofer. Stärkere Lohnsteigerungen erwartet er nur mittelfristig. Thomas Leoni vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) sieht das ähnlich: "Große Lohnerhöhungen herauszuhandeln wird sicher schwierig."

Erst gestern haben in Österreich die Metaller die traditionell im Herbst stattfindenden Kollektivvertragsverhandlungen eröffnet. Weil sich die Produktivität derzeit eher mäßig entwickle, heiße das aber laut Leoni nicht, dass nicht auch die Löhne steigen könnten. "Das Steuersystem spielt da auch eine große Rolle", so der Ökonom. So würden die Löhne auch steigen, wenn die Regierung die Steuern auf Arbeit senke. (Andreas Sator, derStandard.at, 25.9.2013)