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Austrias Cup-Träume (Tomas Simkovic, re.) endeten in und gegen Kalsdorf (Marvin Weinberger, li.).

Foto: APA/Purgstaller

Kalsdorf/Wien - " Wie geil ist das?" ist auf der Website des SC Kalsdorf nach dem 2:1 in der zweiten Runde des Cups über die Wiener Austria zu lesen. Also, wie geil ist das nun, dass der 13. der Regionalliga Mitte Österreichs Meister und Champions-League-Teilnehmer aus dem Bewerb wirft? "Es ist ein Traum. Das ganze Dorf ist aus dem Häuschen", sagt Michael Sammt, sportlicher Leiter des Vereins. Seine Stimme ist angeschlagen. Eine Erkältung. Die lange Feier tat noch ihr Übriges. "Die Nacht war kurz." Man habe sich überhaupt keine Chance ausgerechnet. Nun steht der größte Erfolg der Vereinsgeschichte zu Buche.

2006 schafften die Südsteirer gegen Sturm Graz schon einmal eine Cup-Sensation. "Das toppt das noch einmal", sagt Sammt. Und der Sieg war nicht einmal unverdient, was sogar Austria-Trainer Nenad Bjelica bescheinigte. Ab der 68. Minute mussten die Kalsdorfer zu zehnt auskommen. Den Siegtreffer in Minute 93 erzielte Kapitän Rafael Dorn, ein Lehrer. Studenten und Bürokaufleute finden sich auch noch in der von Ex-Wacker-Innsbruck-Spieler Christian Peintinger trainierten Amateurmannschaft. "Wir haben nur ein paar Halbprofis", sagt Sammt. Einer kommt sogar aus Brasilien. Diego Wendel da Souza Silva. Dazu passend der Sponsorname Copacabana - nicht der Strand in Rio, einer am Baggersee von Kalsdorf. Brasilianisch kickt der Klub aber nicht. Sammt: "Wir spielen nicht die feine Klinge, eher ein bisschen hölzern."

Ausbildungsverein

Der Verein ist schuldenfrei - auch dank eines finanziell potenten Präsidenten. Den Abgang einiger Stammspieler konnten die Steirer, die die Regionalliga im Vorjahr auf Platz vier beendeten, noch nicht kompensieren. "Wir sind ein klassischer Ausbildungsverein", sagt Sammt. Das Budget liegt im sechsstelligen Bereich, genauer will es Sammt nicht sagen.

Auch wenn er der Austria nicht mangelnde Ernsthaftigkeit unterstellt (" Sie haben uns sogar per Video studiert"), findet es Sammt etwas beschämend für die Bundesliga, dass Großklubs an Drittligisten scheitern. Titelverteidiger Pasching, Zweiter in der Regionalliga Mitte, schaltete am Dienstag Wacker Innsbruck aus. Rapid scheiterte bereits in Runde eins am LASK. "Die Regionalliga ist zwar keine Würstelliga, aber auch keine Wunderliga."

350 Zuschauer hat der Verein aus der zehn Kilometer südlich von Graz gelegenen Marktgemeinde (6000 Einwohner) im Schnitt. Das Austria-Spiel sahen 2000. Als Achtelfinalgegner wünschte sich Sammt Sturm Graz. "Das wäre ein Megaevent. Da würden noch einmal doppelt so viele Zuschauer kommen." Eine weitere Überraschung wäre dann "ein Sahnehäubchen". (Birgit Riezinger, DER STANDARD, 26.09.2013)