Wien - Fast drei Jahre hat es gedauert. Am Donnerstag steht im Wiener Gemeinderat jene Vereinbarung mit der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) auf der Tagesordnung, welche für die Erhaltung der jüdischen Friedhöfe in der Bundeshauptstadt sorgen soll.

Wurde bisher die Grabpflege von Wien mit 340.000 Euro pro Jahr unterstützt, wird ab nun auf 860.000 Euro aufgestockt - zwanzig Jahre lang. In der IKG reagiert man zufrieden: "Es hat zwar relativ lange gedauert, das ist aber eine gute Lösung", sagt Kultusgemeinde-Präsident Oskar Deutsch im Gespräch mit dem Standard.

Wichtige Vereinbarung

Die Vereinbarung mit der Stadt ist deshalb auch so wichtig, weil nur so Bundesmittel für die Instandsetzung der teilweise maroden Anlagen fließen können. Denn während die öffentliche Hand die Kriegsgräberpflege seit langem übernommen hat, sah es für die jüdischen Friedhöfe bitter aus. Erst 2010 folgte ein Gesetzesbeschluss, um den Verfall der Friedhöfe - mehr als 60 gibt es - zu stoppen. Der damals geschaffene Fonds wurde mit 20 Millionen Euro gespeist, pro Jahr sollte eine Million ausgeschüttet werden.

"Sollte" deshalb, weil die Ausschüttung nur dann erfolgt, wenn der "Eigentümer", oft die IKG, einen Beitrag in gleicher Höhe bereitstellen kann. Und das, räumt IKG-Präsident Deutsch ein, gestalte sich durchaus schwierig. "Wir bemühen uns", sagt er. Stück für Stück würden die Friedhöfe nun instand gesetzt, denn: "Wenn wir zuwarten, bis alles fertig ist, dann dauert es noch Jahre."

Sanierung wird Jahre dauern

Genau das fürchtet die Historikerin Tina Walzer, die seit Jahren den Jüdischen Friedhof Währing erforscht: "Die Sanierung wird Jahre dauern, selbst wenn man jetzt sofort begänne. Wer pflegt in der Zwischenzeit den Bewuchs?" Walzer weißt auch darauf hin, "dass die Vereinbarung keine jüdischen Gräber auf den Friedhöfen Döbling und Urnenhain Feuerhalle Simmering umfasst."

Gemeinderätin Jennifer Kickert, die für die Grünen die Vereinbarung mitverhandelt hat, ist da nicht so pessimistisch" - klar sei, dass die Stadt bei der Instandsetzung mithelfen müsse. Beim Jüdischen Friedhof Währing brauche es "mehr Gespräche". Wien ist längst kein Sonderfall: Erst für "zirka die Hälfte" der Friedhöfe, sagt Oskar Deutsch, gibt es eine Pflegevereinbarung. (Peter Mayr, DER STANDARD, 26.9.2013)