Eigentlich sollte David Cameron als Premierminister die Regierung im Griff haben. Eigentlich wollte er die britischen Konservativen visionär und mit starker Hand führen. Eigentlich sollte Edward Miliband, der führungsschwache Chef der Labour-Opposition, bloß ein Jausengegner sein. Eigentlich. Und doch befindet sich Cameron seit dem ersten Tag seiner Amtszeit in der Defensive.

Der Grund ist hausgemacht: Die Tory-Hardliner haben es Cameron niemals verziehen, dass er 2010 einen nicht gerade fulminanten Wahlsieg einfuhr und er daher die Liberaldemokraten in die Regierung holen musste. Sie danken es ihm mit immer unverhohlenerer Sympathie für Nigel Farage, den Chef der United Kingdom Independence Party (Ukip). Und das veranlasst Cameron zu Konzessionen, die man bestenfalls als haarsträubend bezeichnen muss. Jüngstes Beispiel ist seine Ankündigung, Großbritannien könnte sich aus der Europäischen Menschenrechtskonvention zurückziehen, um auf diese Art illegale Einwanderer und Kriminelle ausweisen zu können.

Mit solch billigem Populismus wird Cameron aber keine Wahl mehr gewinnen können. Nicht einmal die eigene Partei glaubt mehr an ihn: In den acht Jahren als Parteichef musste Cameron mit ansehen, wie die Konservativen die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Auch alle Umfragen signalisieren: freier Fall. Cameron versucht jetzt, das Steuer herumzureißen – allerdings in die falsche Richtung. (DER STANDARD, 1.10.2013)