Geschädigte des Schüssel-Haider-Kurses müssen sich nicht fürchten. Es wird zu keiner schwarz-blauen Regierung kommen, die vom Team Stronach unterstützt wird.

Alle Aussagen von ÖVP-Politikern, man müsse nun mit allen Parteien Gespräche führen und alternative Koalitionsformen prüfen, sind nicht ernstzunehmende Hinhaltetaktik. Und jeder ÖVPler weiß das natürlich auch.

Warum Schwarz-Blau derzeit keine Option ist, ist rasch erklärt. Jede Regierung, egal wer ihr angehört, wird in den kommenden Jahren auf EU-Ebene weitere unbeliebte Beschlüsse fassen müssen.

Die nächsten Hilfstranchen für Griechenland sind bereits abzusehen. Auch eine Umschuldung für Griechenland - und sei es nur in Form von gestreckten Rückzahlungsterminen - wird nicht zu vermeiden sein.

Im Falle Portugals ist ebenfalls klar, dass der Krisenstaat mit den bisher in die Wege geleiteten Hilfsgeldern nicht auskommen wird. Dazu kommen Beschlüsse über die Bankenunion, die nicht ohne umstrittene Kompromisse möglich sein werden.

Knittelfeld II

Die FPÖ, wie sie derzeit aufgestellt ist, könnte derartigen Deals niemals zustimmen, ohne in derselben Sekunde zerrissen zu werden. Knittelfeld II wäre programmiert. Für die ÖVP wiederum ist es undenkbar, in der Wirtschafts- und Europapolitik eine 180-Grad-Wende hinzulegen.

Strache hat es bisher verabsäumt, die Partei vom Kurs der 100-Prozent-Destruktivität abzubringen, was Grundvoraussetzung für eine Regierungsbeteiligung wäre. Ob er das jemals machen wird, ist mehr als ungewiss. Die schwarz-blaue Karte kann jedenfalls frühestens dann gezückt werden, wenn die Eurokrise halbwegs ausgestanden ist. Darauf werden die Wähler freilich noch einige Jahre warten müssen.

Auf die unberechenbaren Stronach-Söldner muss daher gar nicht näher eingegangen werden. Die Alternative einer Koalition mit blauer Beteiligung ist schlichtweg nicht vorhanden.

Die einzige Option, die die ÖVP hat, ist der Gang in die Opposition. Sie könnte die SPÖ damit zur Bildung einer Minderheitsregierung zwingen, weil auch den Sozialdemokraten die alternativen Regierungsvarianten (zumindest stabile) fehlen.

Es läge dann an Werner Faymann, sich abwechselnd mit Grün, Blau, Neos und Team Stronach Mehrheiten im Parlament zu suchen. In diese Richtung sind wohl auch die jüngsten SPÖ-Aussagen zu verstehen, man werde Kooperationsmöglichkeiten auf parlamentarischer Ebene ausloten. Für die ÖVP wäre eine rote Minderheitsregierung ein zumindest genauso riskantes Spiel wie die Neuauflage von Rot-Schwarz. Bringt die SPÖ einige Reformbeschlüsse zustande, steht die ÖVP als Blockierer da. Im Fall baldiger Neuwahlen könnten sich die Wähler dann umso mehr fragen: "Sollen wir dieser ÖVP noch die Treue halten?" (Günther Oswald, derStandard.at, 2.10.2013)