Fast 270.000 Bürger haben Frank Stronach gewählt. Das sind sehr viele Stimmen, wenn man bedenkt, was Stronach und sein Team zu bieten haben. Stronach war das jedenfalls zu wenig. Ursprünglich wollte er eigentlich diese Republik übernehmen und retten. Mit knapp sechs Prozent geht das nicht. Zum Glück. Der Mann ist nicht ganz bei sich.

Der selbsterwählte Heilsbringer muss jetzt den Eindruck haben, dass er sein Geld verschleudert und seine Zeit vergeudet hat. Die Österreicher wussten offenbar nicht zu schätzen, was Stronach zu bieten hat. Das mochte auch daran liegen, dass man bis zum Schluss tatsächlich nicht so recht wusste, was er denn zu bieten hat. Erklären konnte er das jedenfalls nicht. Und so ganz genau wollte man das vielleicht auch gar nicht wissen.

Diese Undankbarkeit der Österreicher, die sich nicht ausreichend nach der Rettung durch den Milliardär verzehrten, müssen jetzt seine Mitarbeiter und Mitstreiter büßen. Stronach, ein autoritärer Patriarch, wütete, ehe er nach Kanada entwich: Mitarbeiter wurden entlassen, Politiker ihrer Funktionen enthoben.

An sich ist der politische Kahlschlag, den Stronach in den eigenen Reihen vornimmt, kein erheblicher Schaden. Es war nicht die Elite, die bei Stronach angeheuert hatte. Das waren Hasardeure, die es in die Politik geschwemmt hatte: wandlungswillige Haltungsverwalter, die ihr Glück schon bei SPÖ, FPÖ, BZÖ und ÖVP gesucht hatten und es jetzt bei Frank wissen wollten. Einige waren gestrandet, wären woanders nicht untergekommen, und sicherlich waren auch welche dabei, die auf Stronachs sagenhaften Reichtum geschielt und sich persönlichen Profit erwartet hatten. Der Gram über den Verlust und den Abstieg dieses Personals mag sich in den politischen Kabinetten in Grenzen halten. Aber immerhin waren ein paar Leute darunter, die sich doch noch den Luxus einer Meinung geleistet hatten und diese, mit aller Vorsicht und Rücksicht, auch äußerten.

Diese Leute wurden jetzt ersetzt. Durch Leute, die Frank noch toller finden, als das diejenigen taten, die ihn vorher toll fanden. Ihnen voran wurde eine Dame namens Kathrin Nachbaur gestellt. Sie war als Stronachs Assistentin sicherlich eine Spitzenkraft. Ihre politische Durchschlagskraft darf aber hinterfragt werden. Ihre herausragende Stärke, das formuliert sie auch selbst so: Sie weiß am besten, was Frank will. Gratulation.

Das weitere Personal, das an den Schnittstellen werken soll, wurde offenbar ebenfalls anhand des Verneigungswinkels ausgesucht - vielleicht tatsächlich würdige Volksvertreter, wenn auch die Opportunisten und Ja-sager, die es in der Bevölkerung gibt, in der Politik abgebildet werden sollen. Mit dieser Partei als Koalitionspartner drohen zu wollen wäre jedenfalls ein schlechter Witz, der dessen Erzähler der Lächerlichkeit preisgibt.

Frau Nachbaur, Stronachs Statthalterin in der Partei und im Parlament, ist bar jeglicher Erfahrung in der Politik. Das mag auch erfrischend sein, gewiss. Es wird ihr nur nicht gelingen, das Drehmoment der Stronach'schen Denkanstöße in eine spürbare politische Schubkraft umzusetzen. Das hat sicher seine erhellenden und heiteren Aspekte. Aber letztlich wird die Politik so ihrer Ernsthaftigkeit beraubt. Das haben sich auch die 270.000 Wähler, die mit ihrer Stimme für Frank Stronach etwas bewirken wollten, und sei es nur als Ausdruck der Unzufriedenheit, nicht verdient. (Michael Völker, DER STANDARD, 4.10.2013)