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Noch hat sich Steffen Hofmann (33) nicht verabschiedet. Er schaut nur traurig drein. Ihm wird die Zeit gegeben, wieder in Form zu kommen.

Foto: APA/Neubauer

Wien - Steffen Hofmann schaut in letzter Zeit ein bisserl traurig drein. Er ahnt es selbst, zu hundert Prozent wissen kann er es nicht. Rapids Kapitän hat keinen Spiegel dabei. "Möglich, dass man mir meine Stimmungslage ansieht." Am Donnerstagabend hat der 33-Jährige auf der Bank im Happel-Stadion gefroren, ein dicker Anorak schaffte Abhilfe. Wenigstens sind es 94 Minuten gewesen, erst in der Nachspielzeit hat Ersatzkapitän Christopher Trimmel das 2:2 gegen Dynamo Kiew geköpfelt. Hofmann ist aufgesprungen, hat die Fäuste geballt "und mich gefreut. Super, dass die Partie nach einem 0:2 gedreht wurde. Die zweite Luft war beachtlich, das macht Mut für die Zukunft." Es muss eine für Hofmann geben. Denn der Vertrag endet erst nach der Saison 2015/16.

Kritiker behaupten, die von Präsident Rudolf Edlinger veranlasste Verlängerung sei trotz aller Verdienste ein Wahnwitz gewesen. Hofmann könne nicht mehr das Tempo der nachdrängenden Jugend halten, er sei zu teuer. Der Kritisierte antwortet: "Ich komme wieder, es gibt halt negative Phasen, ich will da wieder raus und meine Leistungen bringen." Wobei man nicht alles schlechtmachen solle. "Ich habe in dieser Saison schon einige gute Spiele abgeliefert. Aber natürlich ist der Anspruch der Öffentlichkeit höher - auch mein eigener. Vielleicht ist es der Preis der Popularität."

Ankunft vor 11 Jahren

Hofmann kam 2002 nach Hütteldorf. 2006 ist er zu 1860 München gewechselt, das Heimweh hat ihn nach ein paar Monaten übermannt. 2005 führte er Rapid zum Meistertitel, 2008 wiederholte er das. 2010 wurde er als erster und einziger Mittelfeldspieler Schützenkönig in der Bundesliga. Die vergangenen zwei Jahre waren aber auch von Verletzungen und den dazugehörigen Schmerzen geprägt. Am Donnerstag ist Hoffmann fit gewesen. Trotzdem war er in der Europa League nur Reservist, ein Novum in seiner ganz persönlichen Rapid-Geschichte. "Ich musste es akzeptieren, das passiert eben. Was soll ich sagen? Ich rege mich sicher nicht auf."

Trainer Zoran Barisic nannte "taktische Überlegungen" und "fehlende Form" als Gründe. Das Ergebnis sollte ihm recht geben. Nicht einmal zur Pause, als Rapid nach einer grottenschlechten Darbietung 0:2 zurücklag, war eine Einwechslung Thema. "Erst im Finish dachte ich nach. Aber der Spielfluss war so, dass es vernünftiger war, keinen Tausch vorzunehmen." Am Tag danach sagte Barisic dem Standard. "In jedem Sportlerleben gibt es Formkrisen. In einem Mannschaftssport muss und kann man das kompensieren." Und der Trainer stimmte ein Loblied an. "Hofmann ist ein Topprofi und -mensch, er kann damit umgehen. Er setzt sich selbst zu sehr unter Druck, verkrampft. Er musste immer Verantwortung übernehmen, manchmal war es zu viel für ihn. Er bekommt die Zeit, in Form zu kommen. Er ist nach wie vor in der Lage, den Unterschied auszumachen."

Freier Platz

Barisic versicherte den gegenseitigen Respekt. "Er ist ja nicht irgendwer. Mir taugt, dass er enttäuscht ist. Alles andere wäre katastrophal." Hofmann sieht sich nicht als Denkmal. Laut Anton Polster ist das nicht erstrebenswert, denn Denkmäler sind Bedürfnisanstalten für Tauben.

Rapid gastiert am Sonntagabend in Wiener Neustadt. Guido Burgstaller hat sich gegen Kiew ein Band im Sprunggelenk gerissen, er fällt mehrere Wochen aus. Im Teamkader wird er durch Marcel Sabitzer ersetzt. Bei Rapid ist ein Platz in der Offensive frei. Ob ihn Hofmann bekommt, weiß Barisic noch nicht. Hofmann weiß es auch nicht. Er hofft es und sagt: "Meine Zeit ist nicht vorbei." (Christian Hackl, DER STANDARD, 5.10.2013)