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Amazon will so viel wie möglich über seine Kunden wissen.

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Wer bei Amazon.com einkauft, dessen Nutzerverhalten wird aufgezeichnet und mit dem persönlichen Konto verknüpft. Nutzer, die auf ihre Privatsphäre bedacht sind, loggen sich daher gerne aus. Das macht der weltweite Marktführer unter den Online-Händlern den Nutzern allerdings schwer. Der Nutzer muss schon behaupten, er sei gar nicht er selbst, um sich offiziell abmelden zu dürfen. Nur ein Klick auf "Nicht XXX? Abmelden" meldet den Nutzer ab - wobei das "XXX" für den Vornamen des Nutzers steht. In der Hilfe weist Amazon auf diese Möglichkeit hin. Amazon reagierte auf eine Bitte um Stellungnahme von Montag bis zum Mittwoch nicht.

Bei den Onlineshops von Otto.de oder Esprit.de beispielsweise gibt es dagegen den Abmelden-Link noch - sogar recht prominent. Auch bei Ebay können sich Nutzer nach wie vor regulär über das Menü "Hallo, Nutzername" und dann "Ausloggen" abmelden - wohl auch, weil es hier aus Sicherheitsgründen besonders wichtig ist, sich beispielsweise an fremden oder gar öffentlichen PCs abzumelden.

Amazon umgeht dieses Problem, indem bei Bestellungen noch einmal nach dem Passwort gefragt wird. Das Kalkül scheint klar: Der Online-Händler will so viel wie möglich über seine Kunden herausfinden - und dazu gehört natürlich, nach welchen Produkten sie suchen.

Amazon ist Big-Data-Pionier

Amazon gehört zu den Pionieren von Biga-Data-Analysen, die besonders stark im Bereich Marketing eingesetzt werden. Jeder Amazon-Kunde kennt seit Jahren Empfehlungen wie "Kunden, die Produkt XXX gekauft haben, kauften auch XXX". Amazon belässt es aber nicht bei der Analyse des Kaufverhaltens - auch die gesuchten Produkte, wie lange sich ein Nutzer ein Produkt angesehen hat und welche anderen empfohlenen Produktempfehlungen sein Interesse geweckt haben, fließt in die Analyse ein - neben vielen weiteren Daten. Je mehr dieser Daten für Amazon einem einzelnen Nutzer zuzuordnen sind, desto besser für zielgerichtetes Marketing. Anhand dieser Daten bestimmt sich beispielsweise, was einem Nutzer auf der Startseite der Website angezeigt wird.

Für Kunden, denen ihre Privatsphäre wichtig ist, gibt es dennoch einen Weg, unbehelligt die Amazon-Produktdatenbank zu durchsuchen: Alle modernen Webbrowser - von Microsofts Internet Explorer über Mozilla Firefox und Google Chrome bis Apples Safari - bieten inzwischen eine Art "Tarnkappen-Modus", der teilweise scherzhaft auch "Porno-Modus" genannt wird. Echtes anonymes Surfen ist damit zwar nicht möglich, aber zumindest werden in diesem Modus keine Cookies gespeichert oder ausgelesen. Bei Firefox heißt diese Option "Privater Modus", bei Chrome "Neues Inkognito-Fenster".

Cookies sind kleine Dateien, in denen Websites Informationen schreiben und später wieder auslesen können - so muss sich der Nutzer beispielsweise nicht bei jedem Besuch einer Website erneut einloggen. Wer generell die Verfolgung des Surfverhaltens via Cookies unterbinden möchte und dafür auch einen Komfortverlust in Kauf nehmen will, kann seinen Webbrowser auch so einstellen, dass sämtliche Cookies bei jedem Schließen des Browsers gelöscht werden. Generell empfiehlt es sich sogenannte Third-Party-Cookies in den Einstellungen zu unterbinden, die in der Regel nur dazu dienen, das Surfverhalten über mehrere Websites hinweg aufzuzeichnen. (Stephan Dörner, wsj.de/derStandard.at, 10.10.2013)