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Englands Coach Hodgson soll die "Three Lions" nach Brasilien führen. Die Presse aus dem Mutterland des Fußballs hat für den Fall des Scheiterns bereits einen Schuldigen gefunden.

Foto: REUTERS/Toby Melville

London - Die vorletzte Runde in der europäischen WM-Qualifikation verspricht Spannung pur. Neben Italien und den Niederlanden, die ihre Tickets bereits fix haben, können am Freitag einige weitere Teams ihren Endrundenplatz für die Fußball-WM 2014 buchen. Deutschland, Belgien und die Schweiz stehen bereits mit eineinhalb Beinen in Brasilien. Einige andere Kaliber müssen aber noch zittern. Allen voran England, das sich trotz der Tabellenführung in Gruppe H keinen Ausrutscher erlauben darf.

Enge Kiste

Die "Three Lions" haben derzeit mit 16 Punkten aus den ersten acht Spielen nur einen Zähler Vorsprung vor der Ukraine (15) und Montenegro (15), die sich beide ebenfalls Chancen ausrechnen. Sogar die Polen (13) träumen noch von der WM-Teilnahme, benötigen dafür allerdings nicht nur zwei Auswärtssiege in der Ukraine und auf der Insel, sondern auch Schützenhilfe.

Noch hat der Weltmeister von 1966 in der Qualifikation bisher nicht verloren, die vier Siege konnte das Team allerdings auch nur gegen San Marino und Moldawien erspielen. Alle anderen Partien endeten remis. Schon ein Ausrutscher könnte dafür sorgen, dass England nach der WM 1994 in den USA und der EM 2008 in Österreich und der Schweiz erneut eine Endrunde verpasst.

Kaum Aufstellungssorgen

Immerhin kann Coach Hodgson am Freitag im Wembley-Stadion beinahe auf seine beste Elf zurückgreifen. Einzig Außenverteidiger Ashley Cole von Chelsea musste wegen einer Rippenverletzung absagen, für ihn wird wahrscheinlich Evertons Leighton Baines auflaufen. Im Angriff kann Hodgson auf die Stürmer Daniel Sturridge und Wayne Rooney setzen. Beide sind in bester Verfassung.

Hodgson warnt dennoch vor Montenegro. "Sie sind gut organisiert und schwer zu spielen. Sie sind gefährlich nach Standards und eine große und starke Mannschaft", sagte der Coach über den nächsten Gegner, der den Engländern im Hinspiel ein 1:1 abtrotzte.

Medien-Schelte

Die große Vorsicht des Nationaltrainers kommt auf der Insel nicht gut an. "Finger weg vom Alarmknopf", forderte der "Daily Express" vom Coach. Die "Sun" schrieb: "Englands Hauptproblem ist Hodgson. Er wird Montenegro ohne Zweifel zum schwersten Gegner überhaupt aufbauschen, gegen den man in drei Spielen noch nie gewinnen konnte."

Auch für Portugal (17) gilt im Fernduell der Gruppe F mit Russland (18) das Motto: Verlieren verboten. Der Tabellenzweite steht gegen Israel (12) vor einer ungleich schwereren Aufgabe als die "Sbornaja" in Luxemburg. Superstar Cristiano Ronaldo tönte dennoch: "Ich gehe davon aus, dass wir die Tabellenführung noch zurückerobern werden, auch wenn unser Schicksal nicht allein in unseren Händen liegt."

Schwere Ausgangslage für Frankreich

Den WM-Trip fest eingeplant hat jedenfalls Welt- und Europameister Spanien. Die Del-Bosque-Truppe hat in Gruppe I trotz Punktegleichheit mit Frankreich (je 14) allerdings die klar besseren Karten. Den Spaniern, die ein Spiel weniger als die Franzosen absolviert haben, reichen vier Punkte aus den Heimpartien gegen die Nachzügler Weißrussland und Georgien. Frankreich bestreitet seine letzte noch ausstehende Partie erst am Dienstag gegen Finnland.

Erfolgscoach Vicente del Bosque, dessen Vertrag nach der WM ausläuft, hat teilweise verletzungsbedingt einige auf die Zukunft gerichtete Änderungen vorgenommen. Für Barca-Abwehrmann Jordi Alba erhielt Sevillas Alberto Moreno (21 Jahre) seine erstmalige Einberufung. David Villa wurde durch Swansea-Stürmer und Nationalteam-Debütant Michu ersetzt, der den Vorzug vor Roberto Soldado und Fernando Llorente erhielt. Dazu kommen Junge wie die Mittelfeldmänner Koke (Atletico Madrid) und Isco (Real).

Schweiz auf Brasilien-Kurs

In Gruppe E fehlen dem ungeschlagenen Leader Schweiz (18) vor dem Spiel in Albanien (10) nur noch zwei Punkte zur zehnten WM-Endrundenteilnahme, der dritten in Folge. Von Sicherheitsfußball will Trainer Ottmar Hitzfeld, der mit Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka, Valon Behrami, Blerim Dzemaili, Admir Mehmedi und Pajtim Kasami sechs Spieler mit albanischen Wurzeln im Kader hat, nichts wissen.

"Wir werden in Albanien nicht auf einen Punkt spielen, sondern versuchen, das Spiel zu gewinnen", kündigte der Deutsche an. Die besten Karten im Kampf um Platz zwei hat Island (13), aber auch Slowenien (12/mit dem Salzburger Kevin Kampl) und Norwegen (11/mit Salzburgs Valon Berisha) dürfen noch hoffen.

Viele Hoffnungen in Gruppen B, D und G

Völlig offen ist der Ausgang des Kopf-an-Kopf-Rennens in der Gruppe G zwischen Bosnien und Griechenland (beide 19). Und in Gruppe D, wo die Niederlande schon durch ist, streitet ein Trio mit Ungarn (14), der Türkei und Rumänien (je 13) um einen Relegationsplatz. In der Gruppe B, die vom bereits qualifizierten Vize-Europameister Italien dominiert wurde, darf sogar ein Quartett (Bulgarien/13, Dänemark/12, Tschechien, Armenien/je 9) auf das Erreichen der Play-offs Mitte November hoffen. (APA, 10.10.2013)