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Marcel Koller hat noch keinen neuen Vertrag unterschrieben. Weder in Nürnberg noch mit dem ÖFB.

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Stockholm - Am Samstag wurden Wunden geleckt. Das Nachmittagstraining wurde abgesagt, ein bisserl Regenerieren im Hotel reichte allemal. Die Spieler konnten das 1:2 gegen Schweden individuell aufarbeiten, durch Stockholm schlendern, das ABBA-Museum besuchen oder auch in ihren Zimmern weinen und im Laptop Bilder aus Brasilien runterladen. Weil dorthin kommen sie im Sommer 2014 sicher nicht.

Es gilt jetzt noch am Sonntagvormittag auf die Färöern zu fliegen,  die Qualifikation muss am Dienstag in Torshavn mit Würde abgeschlossen werden. Marko Arnautovic und Marc Janko sind gesperrt und reisen zu ihren Klubs zurück, Jakob Jantscher und Lukas Hinterseer wurden nachnominiert. Zweitgenannter kickt bei Wacker Innsbruck, er ist der Neffe des playbacksingenden Hansi. Lukas ist zum ersten Mal dabei und deshalb gut gelaunt, jede Regel hat eine Ausnahme.

Ziel EM 2016

Teamchef Marcel Koller sah am Samstag um die Mittagszeit nach wie vor völlig geschlaucht aus, die Nacht war kurz. "Und die Enttäuschung ist noch immer sehr groß." Er analysierte in einem kargen Seminarraus des Hotels Nordic Light die Partie vom Vortag, lobte die Leistung in der ersten Halbzeit. "Die hat mich stolz gemacht." Der Einbruch nach der Pause sei bedauerlich, Zlatan Ibrahimovic schrecklich gewesen. "Er hat uns den Todesstoß versetzt." Schlussendlich sei es nicht gelungen, "ein Topniveau über 90 Minuten hinzukriegen". Es fehlte die Überzeugung, auch die Physis war bei einigen Spielern nicht WM-reif. "Sie pfiffen aus dem letzten Loch." Es sei eben Fakt, "dass nicht alle Stammspieler bei den Vereinen sind. Das ist kein Vorwurf, trotzdem haben wir auf die richtige Gruppe gesetzt."

Natürlich müsse man Lehren aus dem Scheitern zeihen. "Der Weg ist noch nicht zu Ende. Alle müssen in allen Belangen besser werden, ich sah viel zu viele Ballfehler. Wir sind ja nicht als Favorit in die Qualifikation gegangen. Mir war das immer klar. Immerhin konnten wir die Fans begeistern,  wir waren bis zuletzt dabei." Verbandspräsident Leo Windtner, der auch schon einmal lustiger dreingeschaut hat, zog seine Bilanz:. "Das Scheitern ist knallhart. Noch liegen wir am Boden. Aber wir stehen auf, blicken in die Zukunft. Es hat eine positive Entwicklung gegeben." Die Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich, an der 24 Mannschaften teilnehmen, sei realistisch "und fast ein Muss".

Mit oder ohne Koller

Ob Koller muss, ist offen. Der Vertrag endet im Dezember, gegen die Färöer sitzt er selbstverständlich auf der Bank.  Am 19. November kommen die USA in aller Freundschaft nach Wien. Koller und Windtner ließen in Stockholm nahezu sämtliche Fragen unbeantwortet, klare Bekenntnisse zueinander waren eher nicht zu hören. Koller: "Es gibt kein Unterschrift. Und jetzt konzentrieren wir uns auf Färöer, das ist sehr wichtig." Deutsche Medien vermelden, dass der 52-jährige Schweizer Wunschkandidat bei Nürnberg sei und es nur mehr um Vertragsdetails gehe. Koller sagte dazu nichts.

Windtner: "Ich zittere nicht um meinen Trainer." Ein Abschied scheint nicht unwahrscheinlich zu sein. Bei aller Zuneigung zur ÖFB-Auswahl schätzt Koller die tägliche Arbeit mit einer Mannschaft, er möchte selbst gestalten, die Dinge kontrollieren. Und das geht nur bei Vereinen. Gefragt, ob die EM in Frankreich tatsächlich ein Muss sei, antwortete Koller:  "Man kann es verlangen, ob es realistisch ist, weiß man erst nach der Auslosung." Leo Windtner zittert vermutlich doch um seinen Trainer. Fortsetzung folgt. (Christian Hackl aus Stockholm, 12.10.2013)