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Elektro-Taxis, eine praktikable Lösung?

Foto: APA/Burgi

Vor einigen Wochen sorgte eine Studie der Technischen Universität in Wien für Aufregung. Denn die Wissenschafter kamen zu dem Schluss, dass Taxis in Wien problemlos mit Strom betrieben werden könnten. Vor allem wenn man den Taxiverkehr als Teil des öffentlichen Verkehrs sieht, wird die ganze Angelegenheit auch zu einer politischen Frage.

Elektroautos – sie sind der Traum aller umweltbewussten Verkehrsminister. Allein, die Elektroautos kommen nicht vom Fleck. Im Jahr 2013 wurden nur 460 Elektroautos neu zugelassen, insgesamt kurven nicht mehr als 1.500 E-Autos durch Österreich. Da hilft auch eine "Energiestrategie" nicht viel, die sich das Ziel von 80.000 Elektroautos bis 2020 auf die Fahnen heftet.

Elektrofahrzeuge sind in der Anschaffung immer noch teurer als "normale" Autos, was viele vom Schritt zum Elektroauto abhält. Im Endeffekt hapert es aber vor allem an der Infrastruktur. Auch beim Thema Taxis auf Strom stellen die verfügbaren Ladestationen nämlich den größten Hemmschuh dar. Steffan Kerbl, Leiter der Testabteilung beim ÖAMTC, findet, dass das Bewegungsprofil von Taxis ein enormes Potenzial für den Einsatz von Elektroautos aufzeigt. "Die meisten Fahrten finden innerhalb von Wien statt und sind relativ kurz." Funktaxis, also jene, die man per Telefon oder Handy-App ruft, könne man leicht mit Elektroautos bestücken. Sofern eben das Problem der Ladestationen gelöst sei.

Ladung sichern

Um eine solche Taxiflotte mit Elektroautos wirklich betreiben zu können, muss sichergestellt sein, dass die Fahrzeuge aufgeladen werden können – am besten bei jedem Stellplatz oder beim Taxiunternehmen selbst. Derzeit dauert die normale Aufladung eines Elektroautos mehrere Stunden – eine nicht praktikable Variante, wenn es um den Taxiverkehr geht. Das heißt, man bräuchte nicht nur Ladestationen, sondern Schnellladestationen. Bei diesen dauert das Aufladen einer Batterie zirka eine Viertelstunde. Laut Kerbl liegen die Kosten für den Aufbau einer Schnellladestation bei ungefähr 100.000 Euro, das ist ein Vielfaches des Preises, zu dem man eine einfache Ladestation hinstellen kann.

Die Studie der TU Wien stützt sich auf die Verkehrsdaten des Taxivermittlers 31300. Martin Waldbauer, zuständig für das dortige Marketing, stellt gegenüber derStandard.at fest: Ohne politischen Willen zur Elektromobilität werde es nicht gehen. Gerade in Bezug auf die Ladeinfrastruktur lautet die zentrale Frage: Wer zahlt das?

Die Kunden seien durchaus positiv gegenüber umweltfreundlichen Varianten auch beim Taxi eingestellt. Was viele nicht wissen: "Sonderwünsche" kann man kostenlos dazubestellen - Platz für einen Hund, einen schwarzen Mercedes oder eben ein umweltfreundliches Fahrzeug. Mittlerweile gibt es auch schon genügend Taxis mit alternativen Energieformen, sodass sich auch die Wartezeit kaum von jener bei herkömmlichen Fahrzeugen unterscheidet.

Besonders Hybrid-Fahrzeuge und Erdgas-Wagen sieht man in Wien immer häufiger. Vor allem Toyota Prius sind auf den Straßen oft  zu sehen. Rund 70 Fahrzeuge verkauft man im Jahr, heißt es seitens des Österreich-Generalimporteurs Toyota Frey. In Wien gibt es insgesamt rund 300 Taxis im Straßenverkehr, in den vergangenen zwei bis drei Jahren seien die Verkaufszahlen regelrecht explodiert.

Förderungen gefordert

Die Bundesinitiative eMobility Austria (BieM) hat sich der Förderung der Elektromobilität in Österreich verschrieben. Dort glaubt man, dass Elektroautos eine öffentliche Förderung in der Startphase brauchen. Vor allem, weil sie preislich nicht mit herkömmlichen Autos mithalten können. Unlängst forderte der Vorstandschef der BieM Investitionsförderungen und Steuerbegünstigungen für Elektroautos, aber auch Förderungen für die Ladeinfrastruktur.

Der Zukunft sieht das BieM gelassen entgegen - rechnet man doch damit, dass sich in den kommenden Jahren der Preis für Elektroautos deutlich verringern wird. Die Autobauer würden sich immer stärker zur Elektromobilität bekennen.

Klagenfurt fährt Elektro-Taxi

In Klagenfurt hat man schon einmal ausprobiert, wie gut Elektro-Taxis funktionieren. Als Teil des EU-Projekts Cemobil werden fünf Elektrowagen der Marke Nissan Leaf in Dreimonatszeiträdern an die Klagenfurter Taxiunternehmen weitergegeben. "Die Taxifahrer sind anfangs teilweise skeptisch aufgrund der Reichweite, aber wenn sie sich darauf einstellen, dass das Elektro-Taxi nicht 24 Stunden in Betrieb sein kann, sondern zwischendurch geladen werden muss, sind sie sehr zufrieden", fasst die Grünen-Stadträtin Andrea Wulz auf Nachfrage von derStandard.at die Ergebnisse zusammen.

Das jeweilige Taxiunternehmen nimmt für den Zeitraum ein "konventionelles" Taxi aus dem Betrieb und ersetzt es mit dem Elektroauto. Dafür zahlen die Unternehmen eine Benutzungsgebühr von 300 Euro pro Monat, den Strom erhalten sie an den Ladestationen gratis. Derzeit gibt es in der Kärntner Landeshauptstadt 35 öffentliche Ladestationen und einen Schnellladestation, die extra für die Taxis eingerichtet wurde. Sie gehören dem Land Kärnten. Zusätzlich betreiben die Kelag und die Wirtschaftskammer ein paar Stromtankstellen.

Das Klagenfurter Projekt läuft bis Ende 2015, der Elektro-Taxi-Betrieb soll aber weitergeführt und  - wenn das Interesse besteht – auch erweitert werden, sagt Wulz.

ÖAMTC-Mann Kerbl fasst sein größtes Gegenargument für Elektro-Taxis so zusammen: Das Ganze muss billiger werden. Es wäre wichtig, dass die Taxiunternehmer schon vorher ein tragfähiges Geschäftsmodell finden. Ansonsten dürfte das Projekt Elektroauto als Taxi nicht mehr werden als ein Pilotprojekt. (Daniela Rom, derStandard.at, 14.10.2013)