Die Oberösterreichischen Kulturvermerke in Gmunden diskutieren heuer unter dem Titel Tod.Sicher - Über Leben am Abgrund. Entfernt man den Abstand zwischen "Über" und "Leben", dann spiegelt das Motto zielsicher ein Bild einer Angst- und Abgrundvermeidungsgesellschaft. Denn anstatt dem Abgrund quasi in den Schlund zu schauen, schleichen viele lieber ein Leben lang um ihn herum. Alles, was bedroht, wird vorsichtshalber ausgeblendet oder inflationär medial präsentiert, sodass es kaum noch jemand wahrnimmt: tote Flüchtlinge vor Lampedusa, Bürgerkriege, Meere verseuchende Atomkraftwerke - das Thema ist brisant, der Abgrund vertrauter denn je, und das sollte erst recht Angst machen.

Die Eröffnungsrede hält am 17.10. um 19 Uhr STANDARD-Autorin Gudrun Harrer zum Thema "Angst statt Freiheit: Die Umbrüche im Nahen Osten". Weitere Vorträge halten u. a. Eva Horn oder Stefan Schulmeister; Ilija Trojanow und Barbara Coudenhove-Kalergi werden lesen. Die Forensikprimaria Adelheid Kastner wird das "Böse" untersuchen und jene Strategien, mit denen es sich eine Gesellschaft als etwas möglichst "Fremdes" vom Leib halten möchte. Filme und Diskussionen (moderiert von Peter Huemer) begleiten die Vorträge, so ist etwa der Dokumentarfilm Meine keine Familie von Paul-Julien Robert zu sehen. Essayist Franz Schuh, der gemeinsam mit Jutta Skokan, Silvana und Christian Steinbacher sowie Lutz Ellrich die Kulturvermerke kuratiert, ist auch in einem Film präsent: In Herr Schuh und der Tod begibt er sich auf eine Reise zu den "Wirkungsstätten" des Todes. (wkh, DER STANDARD, 15.10.2013)