Seit Ende März gibt es mit dem Trademark Clearinghouse (TMCH) eine zusätzliche Möglichkeit zur Registrierung von Marken. Die neue Markendatenbank wurde vom Domain-Name-Verwalter ICANN ins Leben gerufen, um Bedenken der Markeninhaber wegen Cybersquatting in den neuen Internetnamensräumen zu zerstreuen.

Allerdings können dort nicht alle Kennzeichen aufgenommen werden. Im Wesentlichen validiert die Datenbank registrierte Wortmarken, gerichtlich bestätigte nicht registrierte Marken (z. B. amerikanische "TMs" oder bekannte Marken) und bestimmte gesetzlich oder völkerrechtlich geschützte Kennzeichen (z. B. Ursprungsbezeichnungen), soweit sie bereits vor oder am 3. Juni 2008 bestanden haben. Derzeit gibt es Optionen für ein-, drei- oder fünfjährige Perioden mit Gebühren zwischen 150 Dollar für ein Jahr bis zu 725 Dollar für fünf Jahre.

Hintergrund sind die in den nächsten Wochen sukzessiv startenden neuen generischen Top-Level-Domains (gTLDs). Mit diesen wird sich die Zahl der Top-Level-Domains (.com, .net, .at ...) weltweit von rund 240 auf weit über tausend vervielfachen.

Die Betreiber der neuen gTLDs haben mit ihrer Bewerbung das TMCH anerkannt. Mit dem TMCH sind die Möglichkeit zur Teilnahme an den verpflichtenden Einführungsphasen (Sunrise Periods) und ein Notifikationssystem (Trademark Claims Service) verbunden. In den Sunrise Periods können TMCH-registrierte Marken, die benutzt werden, regelmäßig bevorzugt als Domain unter den neuen gTLDs registriert werden.

Darüber hinaus werden die Inhaber von TMCH-Marken und an einer Domain Interessierte davon verständigt, wenn der Interessierte eine mit der TMCH-Marke "identische" Domain beantragt. Markeninhaber können dann prüfen, ob eine Verletzung ihrer Rechte vorliegt. Verpflichtend ist diese Notifikation nur 60 Tage ab der Anmeldemöglichkeit für jedermann. Es steht den Betreibern der neuen gTLDs aber frei, dies auch länger anzubieten.

Das TMCH ist eine Chance für Markeninhaber, ihre Onlinestrategie neu zu überlegen. Strategisch wichtig werden dabei vor allem die Qualifizierung zur Teilnahme an interessanten und marktrelevanten Sunrise-Periods und die Domain-Grabbing-Prävention sein. (Ivo Rungg, Martin Walser, DER STANDARD, 16.10.2013)