Wien - Bis zu zehn Parteien könnten nach den tschechischen Parlamentswahlen am 25./26. Oktober in die Prager Abgeordnetenkammer einziehen, unter ihnen einige populistische wie die des Milliardärs Andrej Babis. Wahrscheinlich sind ein Linksruck und eine Aufsplitterung der Rechten.

Es gebe zwar Populisten, aber keine Extremisten, meint Jan Sícha, Prager Publizist und Diplomat. "Nicht einmal ein Herr Strache wäre bei uns möglich", sagte Sícha am Dienstag bei einer Podiumsdiskussion des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM) in Wien. Sícha sieht die Populisten durchaus als Bereicherung: "Dadurch ist es lustiger als früher." Die etablierten Politiker würden gezwungen, sich ebenfalls "menschlich" auszudrücken, die Wahlbeteiligung könnte steigen. Entschieden werde die Wahl diesmal von den einfachen Menschen. Jahrelang ignoriert, seien sie durch die Mühen der Transformation "erschöpft, verletzt und unberechenbar".

Bára Procházková, Chefredakteurin des Prager Monatsmagazins Bel Mondo, sieht das Land an der Kreuzung zwischen autoritärem Präsidialregime und einer neuen Form des Klientelismus. Staatspräsident Milos Zeman propagiere offen den uninformierten Bürger, der die Entscheidungen der Politik überlasse, und spalte die Gesellschaft. Niklas Perzi, österreichischer Historiker und Tschechienexperte, meint, Zeman habe den "paternalistischen Wohlfahrtsstaat" der kommunistischen "Normalisierung" der 1970er-Jahre verinnerlicht. (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 16.10.2013)