Wien - Österreichs Rugby-Nationalmannschaft setzt am Samstag seine Kampagne im Europäischen Nationencup (ENC) mit dem Match gegen Bulgarien auf der Hohen Warte in Wien fort, angepfiffen wird um 14 Uhr. Vier Spiele wurden in der Staffel C2 bisher absolviert, alle gingen verloren. Um den Abstand auf das restliche Feld nicht zu groß werden zu lassen und damit die Chance auf den Klassenerhalt in der fünfthöchsten kontinentalen Spielklasse am Leben zu erhalten, wäre ein erster Erfolg also keinesfalls verkehrt.

Bei den Österreichern ist vieles neu, zum Beispiel der Trainer. Seit einigen Monaten wird das Team von Philipp "Lofty" Stevenson betreut, der 49-Jährige kommt aus Neuseeland, dem Gelobten Land des Rugby. Ein durchaus bemerkenswerter Vorgang. Auch wenn auf die weltmeisterlichen All Blacks noch eine Kleinigkeit abgehen, sollte es interessant werden, das Resultat sommerlicher Sichtungen und folgender Trainingscamps zu begutachten. Immerhin ist Stevenson als Erneuerer angetreten, die Verhältnisse im österreichischen Rugby sollen mit frischem Wind durchlüftet und so positiv verändert werden.

Österreich befindet sich also in einem Prozess der Neuformierung, auch weil bewährte Spieler aufgrund von Verletzungen oder beruflichen Verpflichtungen nicht zur Verfügung stehen werden. Nicht verwunderlich, dass Stevenson hinsichtlich der Erwartungen für sein Debüt eher im Allgemeinen verharrt: "Es werden auf jeder Seite 15 Mann das Beste für ihr Land geben, acht auf jeder Bank werden dort weg und auf das Feld wollen, ein Referee wird pfeifen und Zuschauer werden die aufregendste athletische Ausdrucksform der Welt verfolgen." Ist ja auch eine Ansage. Und beim 3:3 im Test gegen Mladost Zagreb passte offenbar zumindest das Defensiv-Verhalten seiner Steinböcke ganz gut.

Kontrahent Bulgarien, der Aufsteiger in die Klasse 2C, hat bereits zwei seiner Partien gewonnen, eine davon war das Hinspiel gegen Österreich (12:7). Damals galten die Gäste noch als Favoriten. Mittlerweile kann davon nicht mehr unbedingt die Rede sein, auch wenn die Bulgaren zuletzt beim Rückrunden-Auftakt gegen spektakulär erstarkte Ungarn mit 5:67 unter die Räder kamen. Die ÖRV-Equipe war bei ihren dato letzten ENC-Auftritten nicht gerade vom Glück verfolgt, in den Vergleichen mit Ungarn (10:11) und Slowenien (20:22) war ein besseres Ende nun wirklich in Reichweite. Vielleicht packt man diesmal ja zu. (Michael Robausch - derStandard.at - 18.10. 2013)