Tunis - Wütende Polizisten haben am Freitag den tunesischen Präsidenten Moncef Marzouki und andere hohe Repräsentanten der Staatsmacht von einer Trauerfeier in einer Kaserne in Tunis vertrieben. Marzouki, Regierungschef Ali Larayedh und Parlamentspräsident Mustapha Ben Jaafar wurden von Polizisten und Vertretern der Polizeigewerkschaft beschimpft und daran gehindert, an der Trauerfeier für zwei Polizisten teilzunehmen, die am Vortag in der Region Beja von Aufständischen getötet worden waren, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Bis zum Donnerstag hatte die Regierung nicht mitgeteilt, dass sie in der Region Beja, 70 Kilometer westlich von Tunis, mit bewaffneten Aufständischen zu tun hat. Am Freitag wurde aber offensichtlich, dass es sich dabei um ein akutes Problem handelt. Das Innenministerium teilte mit, dass Spezialkräfte im Einsatz seien. "Mehrere Terroristen" seien getötet worden, nach einem Bombardement aus der Luft seien inzwischen Einheiten am Boden im Einsatz, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Kurze Rede

An der Trauerfeier in Tunis konnte letztlich nur Innenminister Lotfi Ben Jeddou teilnehmen. Der Präsident und die anderen Spitzenpolitiker waren mit Ausrufen wie "Hau ab!" und "Feigling!" vertrieben worden. Der Innenminister hielt eine kurze Rede, in der er sagte: "Wir sind alle gegen den Terrorismus, das ist ein Krieg - und wir werden nicht aufgeben."

Seit dem Beginn des Arabischen Frühlings, bei dem die Entwicklungen in Tunesien an der Spitze standen und bereits im Jänner 2011 zum Sturz des langjährigen Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali führten, hat sich in dem nordafrikanischen Land eine islamistische Bewegung breit gemacht. Seit Monaten verfolgen die tunesischen Sicherheitskräfte an der Grenze zu Algerien islamisch-fundamentalistische Kämpfer. Seit Ende 2012 wurden im Umfeld des Bergs Chaambi bei Zusammenstößen mit Bewaffneten rund 15 Polizisten und Soldaten getötet. (APA, 18.10.2013)