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Violett schrammt am nächsten Sieg vorbei: Sergio Gonzalez (Madrid) fährt David Cancola (Austria) dazwischen.

Foto: APA/Fohringer

Köln/Wien - Während der Austria-Nachwuchs weiter Grund hat zu feiern (die U19-Mannschaften holte nach einer 3:1-Führung ein 3:3-Heimremis gegen Atletico Madrid), blickt der deutsche Fußball auf die neue Youth League mit größter Skepsis - nicht nur aufgrund der teils schwachen Ergebnisse.

Andreas Rettig, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), erschließen sich "die Vorteile dieses Wettbewerbs für unsere Klubs nicht. Eigentlich brauchen die deutschen Profiklubs mit ihren Leistungszentren sowie die A- und B-Jugend-Bundesliga diesen Zusatzwettbewerb mit all seinen Belastungen nicht."

FIFA lässt keinen Geldkuchen über

Fragt sich nur, weshalb die deutsche Bundesliga bei dem Wettbewerb überhaupt mitmacht. Fakt ist: 2011/12 starteten der Fernsehproduzent Justin Andrews und der Sportdirektor des FC Brentford, Mark Warburton, eine eigene Serie, die für Nachwuchsmannschaften der Top-Vereine reserviert war und deren TV-Rechte sie an Eurosport verkauften. 2012/13 nahmen der VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund an dieser Serie teil.

Doch sie war der UEFA ein Dorn im Auge. Wenn sich schon am Nachwuchs Geld verdienen lässt, dann möchte der Verband das abschöpfen und es nicht Privatleuten überlassen. So wurde die Einführung der Jugend-Champions-League übers Knie gebrochen. Fachlich spricht einiges gegen diesen Wettbewerb, aber aus sportpolitischen Erwägungen konnten der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die DFL nicht fernbleiben. Und selbst wenn die Nachwuchs-Bundesligen und Trainingszentren ausreichend sind - Standard in anderen Ländern sind sie nicht. Die brauchen den internationalen Vergleich.

Hinzu kam, dass die Wahl der UEFA-Exekutivmitglieder kurz bevorstand. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach wurde ohne Gegenstimme gewählt. Und UEFA-Präsident Michel Platini wird am Donnerstag beim DFB-Bundestag ein Grußwort sprechen. 

Wolfgang Dremmler, beim FC Bayern Ansprechpartner für das Junioren-Team, steht der Veranstaltung neutral gegenüber, sagt aber: "Wir vier Champions-League-Teilnehmer werden im November eine gründliche Bilanz ziehen. Wenn wir das auf zwei Jahre angelegte Experiment fortsetzen, müssen wir ein anderes Format finden." Das heißt: Nicht unbedingt parallel zu den "Großen" spielen, eventuell auch andere Mannschaften zulassen als den Nachwuchs von CL-Teilnehmern. Der hat ja nicht immer automatisch die Qualität der A-Mannschaft haben. Und wenn sich Nachwuchsmannschaften für das Achtelfinale qualifizieren, die A-Mannschaften aber nicht, gibt der Spielplan sowieso noch ein großes Durcheinander. Die Kopplung ist ein Problem, zumal Deutschlands Meister - der VfL Wolfsburg - außen vor bleibt.

Noch mehr Fehlstunden in der Schule

Das größte Problem ist für Dremmler und Jürgen Gelsdorf, Ansprechpartner im Leistungszentrum von Bayer Leverkusen, die schulische Situation für die Spieler. Dremmler: "Unsere Spieler haben einen von 8 bis 21.30 Uhr durchgetakteten Tagesplan. Da bleibt für einen Restaurant- oder Kinobesuch mit der Freundin keine Zeit. Wenn in Bayern Klausurwochen sind, bekommen die Spieler kein schulfrei. Da fehlen dann schon mal Leistungsträger."

Im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen wird das etwas lockerer behandelt, aber auch Gelsdorf beklagt 18 zusätzliche Fehltage in den Schulen - und die sind schon so hoch genug. Verein, DFB-Nationalmannschaft, regionale Auswahlmannschaft, Champions League - da klagt Gelsdorf: "Spielpraxis schön und gut. Aber in dem Alter fehlen mir Trainingseinheiten. Drei Tage weg, Regeneration - da fällt so viel aus! Ist das alles vernünftig?"

Manchester und San Sebastian sind gegenüber Bonn und Unterhaching natürlich Highlights für die Spieler. Dremmler und Gelsdorf halten das Drumherum mit Hymne und Banner im Mittelkreis aber für überdimensioniert. Gelsdorf: "Ich sage den Jungs immer: Macht Fotos, stellt sie auf Facebook, aber denkt dran, wie wenige den Sprung in die A-Elf schaffen. Genießt also den Augenblick. Den habt ihr euch erarbeitet, aber er besagt nichts. Und vergesst die Schule nicht."

Violett steuert Achtelfinale an

Zumindest sportlich gesehen, sieht die Bilanz für Österreich besser aus als für die Deutschen. Nach den zwei Auftakterfolgen gegen den FC Porto (3:0) und Zenit St. Petersburg (3:0) erreichten die Jung-Austrianer am Dienstag in der Champions-League für U19-Mannschaften ein 3:3 (3:1)-Heimremis gegen Atletico Madrid. Die Austria spielte vor der Pause groß auf und führte 3:1, nach Gelb-Rot für Dominik Prokop (53.) kippte die Partie aber noch und Atletico kam in der Nachspielzeit noch zum Ausgleich.

Die Treffer in der Generali Arena erzielten Valentin Grubeck (8.), Benjamin Koglbauer (23.) und Peter Michorl (25.) bzw. Sergi (12.), Sandro Widni (69./Eigentor) und Roberto Nunez (91.). Die Wiener führen die Gruppe G mit 7 Punkten an und befinden sich auf Achtelfinal-Kurs. (sid/red, derStandard.at, 22.10.2013)