Wien - Für Michael Heinisch ist ein "Kulturwandel" im Gange: "Die Patienten werden immer wählerischer. Und sie stellen das Spitalswesen vor große Herausforderungen."

Der Geschäftsführer der privat geführten Vinzenz Gruppe, die fünf Krankenhäuser in Wien sowie je eines in Linz und Ried betreibt, hat eine market-Studie in Auftrag gegeben. Die wichtigste Erkenntnis für Heinisch aus den Ergebnissen: 63 Prozent der befragten Patienten haben angegeben, dass sie die Entscheidung für dieses Krankenhaus selbständig getroffen haben. "Es ist interessant, dass sie es so wahrnehmen", sagt Heinisch. "Ob es so ist, muss man dahingestellt lassen."

Die Wahl der Patienten würde erst nach einer Recherche, die etwa auch eine Suche im Internet miteinbezieht, getroffen werden. Der Ratschlag des Arztes als einziges Entscheidungskriterium sei passé, nur jeder fünfte Patient verlässt sich exklusiv darauf. "Die Patienten ändern ihre klassische Rolle", sagt Heinisch. Hätte der Großteil der Patienten noch vor ein paar Jahren dem "autoritären Führungsmodell" des behandelnden Arztes vertraut, würden sie jetzt mehr in die Entscheidungsfindung eingebunden werden wollen.

Dafür benötigen die Patienten weitergehende Informationen, die sie aber oft vermissen würden. 57 Prozent der Befragten gaben an, dass sie gerne mehr über den Ruf des behandelnden Ärzte-Personals Bescheid wissen wollen. Dahinter (53 Prozent) folgt der Ruf des Krankenhauses, an dritter Stelle findet sich bereits der Wunsch nach Auskünften über alternative Therapiemethoden (44 Prozent).

"Die Patienten reden darüber, was sie erlebt haben. Aus der Sicht des Patienten gibt es nun einmal Qualitätsunterschiede", sagt Werner Beutelmeyer vom market-Institut. So gaben 88 Prozent der Befragten an, ihre Erfahrungen mit anderen teilen zu wollen. Schlechte Erlebnisse in Spitälern wollen 49 Prozent anderen berichten. "Es wird im Internet Ranking-Plattformen geben", hält Heinisch Online-Bewertungsseiten wie Yelp bald auch für Krankenhäuser und Ärzte möglich.

Dem Wunsch der selbstbestimmten Patienten nach mehr Information müsste von Seiten der Spitäler und auch der Politik mehr Gehör geschenkt werden, sagt Heinisch. So würden sich 51 Prozent der Befragten wünschen, dass Krankenhäuser ihre Heilerfolge verpflichtend veröffentlichen sollten. Dass im Gegensatz dazu von Patienten oder anderen Internet-Usern schlecht gereihte und beleumundete Spitäler auch ungerechtfertigt in wirtschaftliche Turbulenzen geraten könnten, glaubt Heinisch nicht.

Die Qualität des Essens wird als uninteressant für die Entscheidungsfindung gewertet. Heinisch: "Darüber bin ich froh."

Die Ergebnisse der Studie sollte sich laut Heinisch auch die Gesundheitspolitik zu Herzen nehmen.(David Krutzler, DER STANDARD, 23.10.2013)