Die Eltern kann man sich nicht aussuchen. Das ist ein Aspekt, der bei der Diskussion über die Regresspflicht von Kindern gegenüber ihren Eltern, wie sie nur noch in der Steiermark besteht, nie diskutiert wird. In Familien, in denen alles gut ist, wird man natürlich versuchen, den Eltern die bestmögliche Pflege zukommen zu lassen. Obwohl selbst da der Staat für dieses elementare Bedürfnis garantieren können sollte. Doch selbst wenn man eine Regelung finden würde, die weniger sozial unfair und budgetär ineffizient wäre als jene in der Steiermark, wäre Regresspflicht von Kindern fragwürdig.

Ein Staat kann einen Generationenvertrag innerhalb einer Gesellschaft sichern. Ihn aber einzelnen Familien aufzuoktroyieren ist eine absurde Form der Sippenhaftung. Was, wenn jemand mit seinen (reichen) Eltern nichts zu tun haben will? Oder: Was ist mit Menschen, die vielleicht als Kinder missbraucht oder misshandelt wurden? Und was ist überhaupt mit den kinderlosen Bürgern?

Wenn es darum geht, auf das Vermögen wirklich Vermögender zuzugreifen, muss man sich endlich zu einer fairen Vermögenssteuer durchringen. Bundesweit. Vielleicht warten die selbsternannten Reformpartner Franz Voves und Hermann Schützenhöfer ohnehin nur darauf. Bis dahin müssen sie stur auf dem Regress beharren. Dieser ist übrigens alles andere als eine Reform. Die Reform war seine Abschaffung. Voves und Schützenhöfer haben ihn wiedereingeführt. Das nennt man gemeinhin Rückschritt. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 23.10.2013)