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Der eingewechselte Roman Kienast fiel einmal im Strafraum, das reichte nicht für einen Elfer und also auch nicht für ein Ehrengoal für die Austria.

Foto: reuters/bader

Wien – Die Austria konnte erst im dritten Match zur Gruppenphase der Champions League ihr zweites Gesicht nicht mehr ganz zeigen. Die offensive Not, das defensive Elend, recht hartnäckige Begleiter im täglichen Geschäft, die zuletzt beim 1:1 gegen Ried fröhliche Urstände gefeiert hatten, blieben gegen Atletico Madrid, gegen den Spitz und Favoriten der Gruppe G, nicht dauernd in der Kabine.

Die Spanier ließen Vorsicht walten und David Villa auf der Bank. Dabei hätte gerade der Welt- und Europameister mit den Veilchen einen Strauß auszufechten gehabt, war er doch vor neun Jahren mit Real Saragossa im Uefa-Cup an den Wienern knapp gescheitert.

Die aufgebotenen Kollegen folgten ihrem Trainer Diego Simeone und bestätigten Austrias Coach Nenad Bjelica. "Es entspricht der Mentalität der Spanier, niemanden zu unterschätzen", hatte der Kroate gesagt, der mit der Nominierung des von einer Muskelverletzung kaum genesenen Marko Stankovic Mut bewiesen hatte, aber nicht belohnt wurde.

Nach zwanzig Minuten war vieles klar

Als Stankovic vom Feld humpelte, um Roman Kienast Platz zu machen, nach kaum einer Viertelstunde, lag Atletico schon in Führung – nach Austrias patschertem Aufbau einer Abseitsfalle, in die sie selbst tappte. Felipe Luis bediente Raul Garcia perfekt zum 1:0 (8.). Dessen vorhergehende Passivität im Abseits hatte der italienische Referee Daniele Orsato durch Tatenlosigkeit gewürdigt.

Beim 2:0 musste Orsato gar nicht brillieren, das besorgte schon Diego Costa, mit zehn Treffern gegenwärtige der beste Stürmer der Primera Division. Einem Antritt des gebürtigen Brasilianers vermochte in letzter Konsequenz auch Kapitän Manuel Ortlechner nicht zu folgen. Der 25-Jährige, um den in Hinblick auf die WM sein Heimatland und Spanien streiten, schob bei seinem Debüt in der Champions League locker ein (20.).

Lattenpech

Die Austria, die zum Auftakt der Gruppenphase dem FC Porto beim 0:1 alles abverlangt und beim 0:0 in Sankt Petersburg vollends überrascht hatte, ließ sich ungeachtet der deutlichen Unterlegenheit allerdings in keiner Phase gehen. Ging etwas, dann über die Seite von Emir Dilaver und Daniel Royer. Der Anschlusstreffer wäre nicht verdient, aber schön gewesen, hätte Pechvogel Philipp Hosiner bei seinem ersten Versuch nach Pass von Florian Mader nicht die Unterkante der Latte getroffen. Der Ball prallte deutlich vor der Linie auf (37.).

Diese Situation konservierte wenigstens die Stimmung in der Prater-Arena, die durch 45.600 Zuschauer so gut gefüllt war wie noch nie seit der Wiedereröffnung 1986 bei einem Austria-Spiel.

Bjelica auf der Tribüne und nocheinmal Costa

Die kam wild entschlossen, aber ohne Coach Bjelica aus der Pause, der für Kritik an Referee Orsato auf die Tribüne wanderte. Von dort sah er einen schönen Schuss von Mader knapp über das Tor (50.) und wie Diego Costa den Gastgebern die letzten Flausen aus den Köpfen schlug. Eine selbst eingeleitete Aktion schloss der Stürmer nach Zuspiel von Emiliano Insua elegant zum 3:0 ab (53.).

Durch das gleichzeitige 1:0 von Sankt Petersburg in Porto fiel die Austria auf den letzten Gruppenplatz zurück. Daran wird im Rückspiel in Madrid realistischerweise nichts zu ändern sein.

Die U19 der Veilchen, die in der Youth League gegen Atetico wegen eines späten Gegentores 3:3 spielte, kann in Madrid dagegen die Tabellenführung ausbauen. Aber das ist natürlich eine ganz andere Geschichte. (Sigi Lützow - DER STANDARD, 23.10. 2013)

Champions-League - Gruppe G, 3. Runde:
Austria Wien - Atletico Madrid 0:3 (0:2). Wien, Ernst-Happel-Stadion, 45.675 Zuschauer, SR Orsato (ITA)

Tore: 0:1 (8.) Raul Garcia, 0:2 (20.) Diego Costa, 0:3 (53.) Diego Costa

Austria: Lindner - Dilaver, Rogulj, Ortlechner, Suttner - Holland - Royer (85. Leovac), Stankovic (14. Kienast), Mader, Jun (75. Spiridonovic) - Hosiner

Atletico: Courtois - Juanfran, Miranda, Alderweireld, Filipe Luis (46. Insua) - Gabi, Tiago - Arda Turan, Raul Garcia (81. Adrian Lopez), Koke - Diego Costa (60. Cristian Rodriguez)

Gelbe Karten: Hosiner, Holland, Kienast, Suttner bzw. Raul Garcia, Gabi, Juanfran

Parallelspiel:
FC Porto - Zenit St. Petersburg 0:1 (0:0)
Tor: Kerschakow (86.). Gelb-Rote Karte: Herrera (Porto/6.)