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Ein Geistlicher beim Cricket-Training in Rom.

Foto: REUTERS/Alessandro Bianchi

Der Vatikan hat offiziell erklärt, die Kirche von England besiegen zu wollen. 479 Jahre nach der Abspaltung der Anglikaner von den Katholiken hat die Revanche nur einen sportlichen Aspekt – Cricket! Cricket?

Der Kirchenstaat hat verkündet, ein eigenes Team in dieser Sportart zu gründen: Den St. Peter's Cricket Club. John McCarthy, australischer Botschafter beim Heiligen Stuhl, hat das Projekt initiiert. Die Mannschaft wird aus in Rom lebenden Priestern und Seminaristen bestehen, in deren Heimatländern Cricket populär ist. Also vorweigend aus Engländern, Australiern, Südafrikanern, Indern und Pakistanern. In einem internen Turnier werden die besten Spieler für das Nationalteam "Vatikan XI" ausgewählt. Die Dressen werden in gelb-weiß, den offiziellen Farben des Vatikan, gehalten sein.

Das Premieren-Länderspiel soll im September 2014 am Londoner "Lord's Cricket Ground", an der weltweit traditionsreichsten Adresse dieser Sportart steigen. Die Gegner aus England müssen ihre Mannschaft aus Priestern und Seminaristen freilich erst formen.

"Das vatikanische Team wird in der Lage sein, gegen jede Mannschaft der Welt zu spielen", sagt Alfonso Jayarajah, sri-lankischer Trainer des italienischen Rekordmeisters Roma Capannelle Cricket Club und Gründungsmitglied des St. Peter's Cricket Club.

Dialog fördern

Spiele gegen hinduistische und muslimische Geistliche sollen folgen. "Ziel der Initiative ist es, den Dialog mit anderen Religionen zu fördern", sagt Vatikans Kulturminister, Kardinal Gianfranco Ravasi, der das Projekt gemeinsam mit McCarthy in Rom vorstellte.

Meinungsverschiedenheiten herrschen noch in einem Punkt. "Cricket wird eine neue Sprache sprechen, vielleicht Latein", schlägt Pater Theodore Mascarenhas vor. Der indische Priester, der die Präsidentschaft des neuen Klubs übernimmt, hofft, dass Cricket im Vatikan so beliebt wird, dass Fachbegriffe der Sportart ins Lateinische übersetzt werden. McCarthy ist skeptisch: "Englisch ist die Sprache beim Cricket und wird es auch bleiben."

Und was sagt das Staatsoberhaupt zum neuen Sport-Projekt? Offiziell geäußert hat sich Papst Franziskus noch nicht. Sein Lieblingssport ist jedenfalls ein anderer. Der Argentinier unterstützt den Fußballklub San Lorenzo aus seiner Heimatstadt Buenos Aires. Gekickt wird übrigens auch im Vatikan. Bei der jährlich ausgetragenen vatikanischen Meisterschaft spielen mehr als 350 Geistliche aus 56 Ländern um den "Klerus Pokal". Das Nationalteam wird seit drei Jahren von Giovanni Trapattoni betreut. Pater Mascarenhas hat nichts Vergleichbares zu bieten, aber er setzt auf Franziskus' Offenheit. "Ich bin mir sicher, dass er das Cricket-Projekt gutheißen wird." (rie, Reuters, sid, derStandad.at, 23.10.2013)