Die Pleitegefahr ist vorerst abgewendet und, Alitalia nimmt Kurs auf Wien. Ab Montag, ist der tägliche Direktflug von Mailand nach Wien wieder im Programm. Diese Strecke wurde nach der Privatisierung der Airline 2009 auf Eis gelegt. Zwar verspricht sich die Fremdenverkehrswerbung in Mailand, Direktor Michael Strasser, davon neue Impulse für den Italien-Tourismus nach Wien, zumal Hin-und Ruckflug zum Gesamtpreis von rund 100 Euro angeboten werden. Doch die Gefahr ist groß, dass die Verbindung bald wieder eingestellt wird.

Bereits am Dienstag kommt es zum Stopp, weil Alitalia bestreikt wird. Das Sparprogramm der Airline sieht angeblich die Halbierung der Flotte und Einsparungen bei internationalen Strecken vor. Der Sparplan wird bis Mitte November bekanntgegeben. An ihm hängt die Zukunft der maroden Fluglinie.

Vielleicht stockt Air France-KLM auf

Frankreichs Air France-KLM ließ wissen, dass ihre Beteiligung an der Kapitalaufstockung von 300 Mill. Euro vom Sanierungsplan abhänge. Die Franzosen seien gewillt, ihren Anteil von 25 Prozent abzubauen, sollte der Plan nicht ihren Vorstellungen entsprechen. Transportminister Maurizio Lupi verhandelt angeblich mit asiatischen, u. a. auch chinesischen, Airlines.

Inzwischen heißt es bei Alitalia, dass bereits 150 der 300 Millionen Euro schweren Kapitalerhöhung kassiert wurden. Poste italiane hat ihren Anteil, 75 Mio. Euro eingezahlt. Noch ist nicht sicher, ob Brüssel dagegen intervenieren wird.

Von Eni bis "Mamma Rai"

Laut Ex-Premier Romano Prodi kostete die "Privatisierung" der Airline den Staat bislang fünf Milliarden Euro. Trotz mehrerer Privatisierungsflops (Alitalia, Telecom Italia) besteht Wirtschaftsminister Fabrizio Saccomanni darauf, das Programm zu beschleunigen.

Grund für die Eile: Staatsschulden in Rekordhöhe (133 Prozent des BIP), die 2014 auf 134,5 Prozent steigen werden. Nicht nur vier Prozent des Erdölmulti Eni und knapp fünf Prozent des Stromnetzbetreibers Terna stehen zur Disposition. Saccomanni hat auch das Staatsfernsehen Rai im Visier. Die Entstaatlichung von "Mamma Rai", wie die Italiener ihren TV-Monopolisten bezeichnen, steht bereits seit Jahren in Diskussion. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 28.10.2013)