Das heiße Eisen Radfahrer wird vorerst nicht angegriffen. Die von Bürgermeister Michael Häupl und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou präsentierten Nachbesserungen bei der neuen Mariahilfer Straße sind weiterhin nur Halblösungen. Zwar sind die Regierungspartner am Mittwoch unter großem Tamtam vor die Medien getreten, um den Willen des gemeinsamen Gestaltens zu zeigen, in der rot-grünen Koalition wird aber in Wahrheit nur weitergewurschtelt.

Ja, es gibt jetzt eine Lösung für den umstrittenen 13A. Der Klotz Wiener Linien ist damit immerhin vom Bein. Auch bei den Querungen ist man sich endlich einig. Aber der emotionalste Punkt in der Debatte - was nämlich mit den Radfahrern passieren soll - wurde wieder vertagt. Warum wird sich die Koalition nicht einig darüber, ob die Radfahrer durch die Fußgängerzone fahren dürfen oder nicht? Es zeigt sich einmal mehr, dass Radfahrer großen Symbolwert haben. Über die Farbe der Radwege wurde wochenlang diskutiert. Radfahrer sind die Klientel der Grünen.

Das Kräftemessen zwischen Rot und Grün ist derzeit noch voll im Gang. Irgendwann werden die Koalitionspartner aber nicht mehr drum herumkommen, sich gemeinsam zu bekennen. Sollte die Lösung dann so aussehen, dass die Radfahrer die Fußgängerzone nicht mehr befahren dürfen, ist auch klar, dass die Grünen in der Stadtregierung nichts zu sagen haben. (Rosa Winkler-Hermaden, DER STANDARD, 31.10.2013)