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Einer der gestorbenen Einwanderer wird mit einem Tuch bedeckt. 

Foto: AP/Almoustapha Alhacen

Niamey - Nach dem qualvollen Tod von fast hundert Einwanderern in der Wüste geht die Regierung des Niger verschärft gegen illegale Auswanderung vor. Am Freitag und Samstag nahmen die Behörden knapp 150 Menschen fest, die heimlich über die Grenze nach Algerien einreisen wollten. Gleichzeitig ordneten die Behörden die "sofortige" Schließung aller Flüchtlingslager im Norden des Landes an, von wo aus die meisten ihre gefährliche Odyssee beginnen.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass in der Sahara 52 Kinder, 33 Frauen und sieben Männer auf ihrer Flucht nach Algerien verdurstet waren. Einer der 21 Überlebenden des Flüchtlingstrecks sagte einem Radiosender, dass sich die Gruppe im Oktober nach einer schlechten Ernte durch die Wüste in Richtung Algerien aufgemacht habe.

Reiseorganisator verhaftet

Laut dem Bürgermeister der nordnigrischen Stadt Agadez, Rhissa Feltou, sind die Flüchtlinge verdurstet, nachdem ihre beiden Lastwagen fast zeitgleich eine Panne hatten. Ein Einwohner von Tamanrasset, der die Reise organisiert hatte, wurde nach Angaben eines Sicherheitsvertreters verhaftet, gleichzeitig wurden strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet.

Regierungschef Brigi Rafini forderte seine Landsleute auf, "sich zusammenzureißen" und trotz der Armut in ihrer Heimat zu bleiben. Die Menschen müssten verstehen, dass "ihr Glück im Niger" liegt, auch die Jungen könnten sich dort verwirklichen, sagte Rafini am Samstag bei einem Besuch der im Süden gelegenen Stadt Kantche, aus der ein Großteil der Opfer der Flüchtlingstragödie stammt. Wenn nicht, dann sollten sie auf legalem Weg ausreisen, fuhr er fort: "Wir lassen es nicht zu, dass sich unsere Mitbürger in gefährliche Abenteuer stürzen."

Weitere Maßnahmen angekündigt

Staatsanwalt Samna Chaibou kündigte weitere Maßnahmen im Kampf gegen illegale Migration an. Auswanderer ohne gültige Reisedokumente und ohne Visa ihres Zielländer würden sofort "abgewiesen", teilte Chaibou mit. Die Fahrer der Fahrzeuge müssten vor Beginn der Fahrt durch die Wüste alle ausreisewilligen Passagiere melden. In einer im Fernsehen verlesenen Erklärung wurden harte Strafen für Menschenschmuggler angekündigt. Die jüngste Tragödie sei das Ergebnis der "Verbrechen von Schleppernetzwerken", hieß es in der Erklärung.

Die westafrikanische Republik Niger ist zu weiten Teilen von Wüste bedeckt und gehört zu den ärmsten Staaten der Welt. Das Land leidet immer wieder unter Hungersnöten. Normalerweise streben die Flüchtlinge nach Libyen und Algerien, um von dort weiter nach Europa zu gelangen. Nach UNO-Angaben durchquerten zwischen März und August mindestens 30.000 Flüchtlinge die Stadt Agadez auf dem weiteren Weg Richtung Norden. Immer wieder verdursten Flüchtlinge, die teilweise auch von Schlepperbanden zurückgelassen werden. (APA, 3.11.2013)