Bild nicht mehr verfügbar.

Philipp Hosiner erinnert sich an bessere Zeiten: "Im Meisterjahr ist alles reingegangen."

Foto: APA/ EXPA/THOMAS HAUMER

Wien – Philipp Hosiner hatte eine Vorahnung. Insofern ist er am Sonntag überhaupt nicht geschockt gewesen. Er nahm in Wiener Neustadt nicht einmal widerwillig auf der Erstbank Platz, neben ihm saß Außenverteidiger Markus Suttner. Er ist auch ein Teamspieler. Dass es gerade die beiden Topstars der Austria erwischt hat, dürfte kein Zufall gewesen sein. Trainer Nenad Bjelica hatte nach diversen kläglichen Vorstellungen des Meisters personelle Konsequenzen angekündigt. Hosiner: "Er wollte und musste halt ein Zeichen setzen. Vielleicht erwartet man gerade von uns beiden mehr." Bjelica hatte zumindest nicht unrecht, die Austria siegte 3:0. Roman Kienast schoss alle Tore, er ist im Sturm Hosiners Konkurrent. "Nein, er ist ein Freund. Er hat das sehr gut gemacht, ich gönne es ihm."

Der 24-Jährige erinnert an die Vorsaison, als Kienast zuschauen musste, "wie mir die Bälle andauernd vor die Füße gefallen sind. Er hat nie gemurrt." Mit 32 Treffern wurde Hosiner Schützenkönig und Spieler der Saison, in der laufenden Meisterschaft hält er nach 14 Runden bei mickrigen fünf Toren. "Es ist auch Pech dabei." Der Burgenländer verweist auf fünf Lattenschüsse. "Im Meisterjahr ist alles reingegangen, ein einziges Mal schoss ich an die Stange." Generell sei es komplizierter "einen Erfolg zu wiederholen, als einen Erfolg zu erringen."

Unterbewusstsein

Hosiner und Suttner wollten im Sommer ins Ausland wechseln, beide blieben in Wien picken. Nur Trainer Peter Stöger schaffte den Sprung nach Köln. Hosiners Transfer zu Hoffenheim scheiterte an der Ablöse. "Schade. Wenn man jetzt im Fernsehen sieht, wie die gegen Bayern antreten, tut es ein bisserl weh. Vielleicht spielt diese Enttäuschung im Unterbewusstsein eine Rolle."

Da er aber schon in der Gegenwart lebt und eindeutig Austrianer ist, sagt er: "Ich werde alles geben, mich im Training aufdrängen. Irgendwann kommt das Spielglück zu mir zurück."

Am Mittwoch ist die Austria in der Champions League engagiert, die Reise führt nach Madrid zu Atletico. Die schamlosen Spanier haben nach drei Partien neun Zähler, in Wien gewannen sie problemlos mit 3:0. Hosiner schoss übrigens an die Latte. Natürlich wird er am Dienstag im Flieger sitzen, er hofft auf einen Einsatz. "Vielleicht von Beginn an, vielleicht sind es auch nur ein paar Minuten. Da müssen Sie den Trainer fragen." Bjelica dürfte zwischen ein paar Minuten und überhaupt nicht wählen. In Wiener Neustadt sagte er: "Die drei Tore sprechen für Kienast, auch für die Zukunft. Er hat die beste Antwort gegeben, die ein Stürmer geben kann. Und er hat vorbildlich gearbeitet." Ad Hosiner: "Man kann sich bei mir nur durch Leistung anbieten."

An der Champions League teilnehmen zu dürfen, sagt Hosiner, "ist für einen österreichischen Fußballer ein Privileg. Man lernt viel." Atletico sei natürlich um Klassen besser als die Austria, "aber verwundbar ist jede Mannschaft. Durch Standards. Auch die Besten machen Fehler. Wir werden schon nicht untergehen."

Er möchte einen konkreten Beitrag liefern, dem fulminanten Diego Costa direkt begegnen. Und sei es nur für ein paar Minuten. (Christian Hackl, DER STANDARD, 5.11.2013)