Wien - Botaniker der Universität Wien haben in den Wiesen und Wäldern rund um die Hauptstadt das Sammeln der Samen geschützter Pflanzenarten aufgenommen. Die Samen sollen in Samenbanken deponiert oder im Frühling im Botanischen Garten ausgesetzt werden. Schwerpunkt sind Pflanzen der pannonischen Flora, sagt Barbara Knickmann, die Sammlungsleiterin des Botanischen Gartens. Mit der Aktion sollen Besuchern für die Gegend typische und gleichzeitig schöne Pflanzen präsentiert werden.

Darüberhinaus geht es aber auch um den Artenschutz, denn in Österreich gelten rund 40 Prozent der wild wachsenden Pflanzenarten als gefährdet. Der pannonische Raum ist besonders artenreich und hier kommen viele gefährdete Arten vor, die nirgendwo anders zu finden sind. In Österreich gehören zur pannonischen Pflanzenwelt etwa das Weinviertel, das östliche Waldviertel, das Marchfeld, das Wiener Becken, die Thermenlinie und Teile des Burgenlands. Die Arten, die hier wachsen, sind an ein relativ warmes und trockenes Klima angepasst.

Die Botaniker tragen im Rahmen der Samelaktion die Samen von etwa fünfzehn bis zwanzig Arten pro Tag zusammen, so Knickmann. Wenn sie große Früchte sammeln, wandern nur wenige Stück in die Sackerl, bei Orchideen hätte man je abgeschnittener Pflanze gleich eine halbe Million Samen geerntet. Damit sie jene von gefährdeten Arten mitnehmen dürfen, brauchen die Botaniker zuvor eine Genehmigung der Naturschutzbehörden.

Die weltweite Sammelstelle für Pflanzensammeln

"Nach dem Sammeln folgen die aufwändigen Winterarbeiten wie die Samen zu putzen und zu trocknen, und wir entscheiden, was weiter mit ihnen passiert", so Knickmann. In Wien können die Samen an der Universität für Bodenkultur professionell eingefroren und zwecks Naturschutz konserviert werden, der Botanische Garten arbeitet aber auch mit der "Millennium Seed Bank" in Kew (England) zusammen.

In Kew will man in unterirdischen, atombombensicheren Bunkern die Samen aller Pflanzen weltweit sichern. "Derzeit sind in Kew schon die Samen von fast jeder Pflanzenart der britischen Inseln eingelagert, und von jeder zehnten Art weltweit", sagt Knickmann. Die botanischen Gärten in Graz und Wien haben gemeinsam mit der Boku in den vergangenen beiden JahrenSamen von etwa 150 Arten an diese Samenbank geschickt. (APA/red, derStandard.at, 7. 11. 2013)