Gestern Abend war die Aufregung groß. Die Votivkirchen-Flüchtlinge kommen zum Prälat-Leopold-Ungar-Preis in die Brunnenpassage, um zu protestieren. Auch wenn es manche vielleicht nicht glauben, ich habe mich über das Wiedersehen sehr gefreut, sie willkommen geheißen und gebeten auf der Bühne zu sprechen. Natürlich war die Situation auch für mich stressig. Vor versammelten Journalisten folgte eine kurze, heftige Protestaktion.

Die Männer wollten auf ihre Anliegen, auf ihre Verzweiflung aufmerksam machen. Einmal mehr. Leider sind nach wie vor einige sogenannte Supporter dabei, die den gesamten Protest für sich in Anspruch nehmen. Supporter, denen es um Eskalation geht, um eigene Interessen, die die Caritas und Kirche diskreditieren und beschimpfen.

Wut, die schadet

Diese maximal fünf Personen haben eine solche Wut, dass sie den schutzsuchenden Männern immer wieder massiv schaden. Differenzierung ist hier meiner Meinung nach sehr wichtig. Es gibt die schutzsuchenden Votivkirchen-Flüchtlinge rund um Khan Adalat, den ich persönlich gut kenne und schätze, es gibt viele engagierte Unterstützer, die seit Monaten alles und mehr geben, denen die Menschen ein Anliegen sind, und es gibt einige wenige, die vieles kaputtmachen, die primär Eigeninteressen verfolgen.

Frage an die Politik

Diese Differenzierung ist wichtig. Hier alle in einen Topf zu werfen, in eine Schublade zu stecken, ist der falsche Ansatz. Leider neigen wir schnell dazu, haben schnell Vorurteile. Aber eine Frage habe ich noch an die verantwortlichen Politiker: Wieso hat Khan Adalat noch immer keine Entscheidung in seinem Asylverfahren? Nach über einem Jahr?

Alle Beteiligten, die seinen Fall, seine schmerzhafte Lebensgeschichte kennen, gehen davon aus, dass er zumindest und zu Recht subsidiären Schutz bekommen soll und wird. Werden doch nicht alle gleich behandelt vor dem Gesetz, wie immer wieder betont wurde? Werden hier bewusst Einzelne auch in ihrem Asylverfahren schikaniert, weil sie erstmals in Österreich auf ihre Situation und ihre Anliegen als Schutzsuchende aufmerksam gemacht haben? Wenn dem tatsächlich so ist, dann ist es eines Rechtsstaats unwürdig und menschenrechtlich zutiefst bedenklich.

Wachrütteln

Die Votivkirchen-Flüchtlinge entsprechen nicht unserem Bild von Flüchtlingen. Sie haben irritiert und irritieren auch mich (und das ist gut so). Warum? Weil sie uns wachrütteln. Wachrütteln, dass wir mehr Menschlichkeit im Umgang mit schutzsuchenden Menschen in Österreich und Europa brauchen. Danke, Khan Adalat, für euren Mut und eure Beharrlichkeit. (Leserkommentar, Klaus Schwertner, derStandard.at, 6.11.2013)