Wien - In einem interdisziplinären Pilotprojekt der Wiener Universitätskliniken für Neurologie, Radiologie und Nuklearmedizin im Wiener AKH und des Zentrums für Hirnforschung der MedUni Wien wurde jetzt ein 3D-Venenatlas des Gehirns erstellt. Es geht im Speziellen um die Erforschung der Multiplen Sklerose, teilte die MedUni Wien am Montag in einer Aussendung mit.

Mit Kernspintomografie und der besonders auflösungsreichen Darstellung im 7-Tesla-Ultrahochfeld-MR-Tomografen lassen sich in einer gemeinsamen Bildgebung Venen und Eisenablagerungen darstellen. Das soll Aufschlüsse über für die Multiple Sklerose spezifische Veränderungen geben. Bei der MS kommt es durch chronische Entzündungsreaktionen im Zentralnervensystem zum Abbau der Myelin-Isolierschichten (Markscheiden) von Nervenzellen. Dies führt zu den typischen motorischen Störungen.

Laut der Aussendung könnten eisenhaltige "Säume" von Fresszellen (Makrophagen) ein Marker für das Fortschreiten der Multiplen Sklerose sein. Die Makrophagen nehmen bei der Zerstörung der Markscheiden vermehrt Eisen auf. Daraus entstehen freie Radikale, welche zusätzliche Schädigungen des Gewebes verursachen.

Rascheres Wachstum

"Die vorläufigen Drei-Jahres Daten aus der hochauflösenden 7-Tesla-Bildgebung lassen vermuten, dass Entzündungsherde, die von einem Eisenring umgeben sind, größer sind und schneller wachsen" so die Neurologin Assunta Dal-Bianco.

"Durch die technischen Fortschritte in den letzten Jahren können wir nun kleinste Strukturen im Gehirn des Patienten deutlicher darstellen und in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Hirnforschung mit pathohistologischen Erkenntnissen korrelieren und interpretieren", ergänzt Günther Grabner von der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin. Mit dem 3D-Venenatlas lässt sich demnach die Darstellung der Venen in Entzündungsherden von MS-Patienten mit gesunden Probanden vergleichen. Das könnte auch für Untersuchungen von Gehirntumor- oder Schlaganfallpatienten wichtig werden. Auch im Rahmen dieser Erkrankungen treten im Gehirn entzündliche Reaktionen auf. (APA, 11.11.2013)