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Teure Geräte wie ein Elektronenmikroskop gemeinsam zu nutzen ist sinnvoll.

Foto: APA/Kasper

Die Spezialisierung der Wissenschaften bedeutet, dass immer speziellere Apparaturen gebraucht werden, um auf hohem Niveau forschen zu können. Das gilt im Besonderen für die Naturwissenschaften. Um Finanzierung und Bedienung der technischen Ausrüstung bewältigen zu können, wurden an Österreichs Unis in den vergangenen Jahren vermehrt Shared Facilities gegründet: Eines oder mehrere Institute nutzen dabei gemeinschaftliches Equipment. Die Technologieagentur der Stadt Wien (ZIT) organisierte dazu am Dienstag eine Diskussion in der Seestadt Aspern.

In den Life Sciences seien Shared Facilities in den vergangenen 15 Jahren zu einem "heißen Thema" geworden, sagt Andreas Tiran, Direktor des Campus Science Support Facilities (CSF), das am Vienna Biocenter für Shared Facilities zuständig ist. Im Bereich der Physik ist das Teilen von Forschungsinfrastruktur schon länger üblich - das Kernforschungszentrum Cern bei Genf ist ein Beispiel dafür, auch wenn es kaum als Shared Facility bezeichnet wird.

In den Life Sciences ist der Terminus gebräuchlicher. Ein gewöhnliches Mikroskop konnte sich noch jede Forschungsgruppe leisten; die Gerätschaften, um Next Generation Sequencing zu betreiben, nicht. Zudem werden die wissenschaftlichen Fragen immer komplexer: "Um eine Forschungsfrage zu beantworten, brauchen wir immer mehr Geräte, die ein Forscher heute nicht mehr alle bedienen kann", sagt Tiran.

Auch spricht die ständige Erneuerung der Geräte für eine gemeinsame Verwendung. Geräte zur Sequenzierung etwa sind nach nur wenigen Jahren veraltet. Die Kosten zu teilen ist dann die einzige Möglichkeit, technologisch auf dem letzten Stand zu bleiben.

Emotionale Barrieren

Wenn so viel für Shared Facilities spricht, warum ist dann die gemeinsame Verwendung von Forschungsinfrastruktur nicht schon weiter fortgeschritten? "Es gibt emotionale Barrieren", meint Tiran. Die meisten Forscher wollen die Geräte, die sie verwenden, für sich allein und an ihrem Institut stehen haben. "Genauso wie die meisten Autofahrer lieber das eigene Auto in der Garage stehen haben, als Carsharing zu nutzen."

Manchmal sprechen sachliche Gründe gegen Shared Facilities. So ist es kaum möglich, mit Zellproben durch die Stadt zu fahren, um sie zu untersuchen. In einigen Feldern kommt hinzu, dass es den Effekt einer "Publikationsmaschinerie" haben kann, wenn ein Wissenschafter es schafft, ein spezielles Gerät an seine Einrichtung zu holen.

Auch die Uni-Bürokratie macht es manchmal nicht einfach, schnell gemeinsam Geräte anzuschaffen, sagt Tiran: "Das CSF ist bewusst als gemeinnützige GmbH aufgestellt, so können wir schnell auf Bedarf reagieren." Tiran selbst ist ausgebildeter Labormediziner. Bei einem Forschungsaufenthalt in den Niederlanden Mitte der 1990er-Jahre hat er Shared Facilities kennengelernt. Zurück in Österreich hat er diese vermisst und sich hierzulande dafür eingesetzt. Seither hat er einen "enormen Stimmungswandel" erlebt, gerade an Unis werden Shared Facilities immer beliebter.

Bei Unternehmen gibt es noch mehr Zurückhaltung. Eine Ausnahme ist researchTUb, die Technologietransfergesellschaft der TU Wien, der Wirtschaftsagentur Wien und der Stadtentwicklungsgesellschaft Wien 3420 AG. Christoph Pollak, Projektmanager von researchTUb, wurde zur Diskussion geladen, um zu erzählten, wie es ihm gelungen ist, eine Shared-Facilities-Einrichtung mit Unternehmen zu gründen.

Mehrere Firmen haben für die Betriebshalle in Aspern Geräte zur Verfügung gestellt, doch das funktioniere nur, "wenn vom ersten Tag an klar ist, welche Vorteile die Unternehmen aus der Shared-Facility-Einrichtung ziehen können - es muss ein tragfähiges Vertrauensverhältnis geben", sagt Pollak. (Tanja Traxler, DER STANDARD, 13.11.2013)