Manila/Wien - Nach dem verheerenden Hurrikan auf den Philippinen scheint es für die Helfer ganz besonders schwierig zu sein, ein genaues Bild über die Lage zu erhalten. So sagten am Dienstag mehrere NGO-Vertreter dem Standard, dass man nach wie vor keinen Überblick über das Ausmaß der Katastrophe habe. Das sei ungewöhnlich lange. Dieser Umstand könnte der Topografie der Philippinen geschuldet sein oder auch der Tatsache, dass vom Taifun eine sehr breite Fläche zerstört wurde. Es dürfte aber auch an aussagekräftigen Satellitenbildern mangeln - ob das der Wetterlage geschuldet ist, blieb am Dienstag unklar.

Die Uno hat auf internationaler Staatenebene für die Hilfe nach so großen Katastrophen ein Clustersystem entwickelt, an dem sich die Hilfsorganisationen bei ihrem Einsatz orientieren können. Dabei wird die humanitäre Hilfe nach verschiedenen Themen wie beispielsweise Gesundheit, Nahrungsmittel oder Obdach gegliedert. Da jede Katastrophe anders ist, dauert es aber immer einige Tage, bis dieses Koordinationsgerüst aufgebaut ist.

Das System steht laut Rotem Kreuz Österreich (ÖRK) nun im Groben. Allerdings, sagt Max Santner, wüssten in etwa zwei Drittel der NGOs, vor allem kleinere, die sich nun auf den Philippinen engagieren, nichts von dieser Art der Koordination.

90 Prozent lokale Helfer

Große Hilfsorganisationen richten sich aber nach diesen Sektoren. Beim Roten Kreuz leitet sozusagen der philippinische Ableger den Einsatz, er steht mit dem internationalen Roten Kreuz in Kontakt, das dann wiederum aus den einzelnen Ländern die Hilfe anfordert. Da das ÖRK auf Wasseraufbereitung spezialisiert ist, wird es dafür angefordert. Von der Caritas Österreich sind hingegen derzeit zwei Vertreter vor Ort, die vor allem in logistischen und organisatorischen Fragen Expertise besitzen. Die Caritas Österreich gab an, dass rund zehn Prozent der Ersthelfer internationale Helfer seien und rund 90 Prozent von den lokalen Organisationen vor Ort.

So gestaltet es sich auch bei Ärzte ohne Grenzen. Die NGO versucht, nach Katastrophen möglichst schnell vor Ort zu sein und möglichst weit in Gebiete vorzudringen, in die andere Helfer nicht so schnell kommen. "Wir haben hier eine besondere Expertise, auf die wir zurückgreifen können", sagte Irene Jancsy, Leiterin der Kommunikation von Ärzte ohne Grenzen Österreich. Koordinieren sei da eher zweitrangig.

15 Personen der internationalen Organisation waren bereits vor Ort, 50 sollten Dienstag folgen, ein Drittel davon Ärzte. Weitere Helfer seien auf Stand-by. Drei Cargo-Flugzeuge mit medizinischem Material, Zelten und Trinkwasseraufbereitungsgeräte waren für den Abflug vorbereitet. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 13.11.2013)