Laptops, Tablet-PCs und Smartphones haben nicht nur das alltägliche Leben digitaler gemacht. Auch Bankgeschäfte wurden damit einem radikalen Wandel unterzogen. "Der virtuelle Marktplatz wird wichtiger. Kunden entscheiden sich jeden Tag neu, wann, wo und wie sie mit einer Bank in Kontakt treten", fasste Bank-Austria-Chef Willibald Cernko diesen Trend kürzlich zusammen. Um Kunden zu halten und den modernen Ansprüchen gerecht zu werden, zimmern Banken seit einiger Zeit an modernen Filialen und Features.

  • Bank Austria: Im zur italienischen UniCredit gehörenden Haus wird nun stark auf Videotelefonie gesetzt. Betreuer und Ansprechpartner sollen so jederzeit erreichbar sein - aktuell ist das von Montag bis Freitag von 8 bis 22 Uhr. Der Gang zur Filiale ist damit auch für Beratungsgespräche oder andere Fachfragen, die mit einem Betreuer zu klären sind, nicht mehr nötig. Um die "Bank der Zukunft" umzusetzen, investiert die Bank Austria laut Cernko einen "dreistelligen Millionenbetrag". Vor allem im Videobanking sieht man in der BA das Banking der nächsten Generation. Auch in den Filialen sollen Multimedia-Terminals aufgestellt werden. 20 Standorte will man zu Beratungszentren umbauen, wo man ein Angebot für alle Kundengruppen schaffen möchte. Künftig wird zwischen Beratungszentren, Filialen und Selbstbedienungsfilialen unterschieden.
  • Bawag: Die im Eigentum von US-Finanzinvestoren stehende Bank will ihren Multi-Kanal-Ansatz weiter ausbauen. Durch die Kooperation mit der PSK sind Bankfilialen auch in die Postzweigstellen eingezogen. In 180 Bawag-Filialen ist auch der Samstag bereits ein Banktag. Die E-Banking-Funktionen stehen mittlerweile in sieben Sprachen zur Verfügung. "Mit Voice-over soll auch blinden Menschen die Nutzung von Apps ermöglicht werden", sagt Peter Karst, Bereichsleiter für Marketing und Produktentwicklung bei der Bawag.
  • Erste Bank: Mit einem Start-up sollen Innovationen in der Erste Bank angestoßen werden. Vor einem Jahr wurde das "Hub" gegründet, Boris Marte leitet das Innovationszentrum. "Das Konto wird in fünf Jahren ein ganz anderes Produkt sein als heute", ist er überzeugt. Zuletzt hat die Erste Bank mit "Quickcheck" ein erstes Projekt aus dem Hub umgesetzt. Nutzer von Smartphones können so ohne Eingabe eines PINs ihren Kontostand abfragen - in den ersten zwei Monaten haben über 100.000 Menschen die App heruntergeladen. Weil die meisten Kunden das Smartphone lediglich nutzen, um den Kontostand abzufragen, habe diese App Sinn gemacht. Künftig könnte es aber auch darum gehen, dass etwa Überweisungen "in Echtzeit" abgewickelt werden.
  • Raiffeisen: "Face to Face statt Teleshopping" nennt Georg Kraft-Kinz, Stellvertretender Direktor bei der RLB NÖ-Wien, sein wichtigstes Ziel. Der Kunde sei ein Partner, für den man in den Filialen auch weiterhin Ansprechpartner haben werde. Der digitalen Welt kann sich aber auch der Raiffeisen-Sektor nicht entziehen. Um Kunden IBAN und BIC zu ersparen, können Zahlscheine etwa via Smartphone eingescannt werden. Mit einem eigenen Youtube-Channel und Facebook wird die jüngere Klientel bedient. 200.000 Facebook-Freunde zählt das Haus bereits bundesweit.

Die Folgen dieser Technologisierung fasst Cernko ebenso offen zusammen wie die anstehende Strategie: "Wir werden deutlich weniger Filialen sehen und in neuen Geschäftsmodellen auch deutlich weniger Mitarbeiter beschäftigen." (Bettina Pfluger, Lukas Sustala, DER STANDARD; 14.11.2013)