Wien - Tilo Berlin hat laut Staatsanwalt zwei Vorzugsaktienverträge plus Put-Optionen unterschrieben; in selbigen hat sich die Bank verpflichtet, die Aktien zurückzunehmen. Daraus leitet der Ankläger Untreue- und Bilanzfälschungsvorwürfe ab. Berlin wird lediglich Untreue vorgeworfen; es gilt die Unschuldsvermutung.

In seiner Einvernahme vor dem Staatsanwalt am 23. Mai 2011 schilderte Berlin, wie es zu seiner Unterschrift auf den Verträgen von Vorzugsaktionär St. Primus Privatstiftung gekommen sei. Erinnern könne er sich "daran nicht"; mithilfe des Staatsanwalts, der die entsprechenden "Vermerkblätter" vorlegte, kramte Berlin dann aber in seinen Erinnerungen.

"Rückblickend" könne er "nur sagen, dass diese Unterschriftsleistung an einem der ersten meiner Arbeitstage erfolgte" (4. Juni 2007, Anm.), als "ich mit mannigfaltigen Aufgaben befasst war". Seine, Berlins, Unterschrift sei die letzte gewesen, die geleistet wurde, die erste sei die von Anwalt K. gewesen. Der habe übrigens, so Berlin, "die Bank vertreten und war gleichzeitig Vertreter von Vorzugsaktionären. Ich habe mich auf seine Vorbereitung verlassen".

Warum er die Verträge mit der Stiftung unterschrieben habe? Der damalige Hypo-Chef, den die Bayern sich für den Vorstandssessel gewünscht hatten: "Ich kann mir nur vorstellen, dass ich unterschrieben habe, weil ich davon ausgegangen bin, dass dieser Vorzugsaktienerwerb seine Richtigkeit hat." Dass er sich mit dem Vertragswerk, aufgrund dessen die St. Primus Privatstiftung die Vorzugsaktien erworben hat, "inhaltlich auseinandergesetzt" habe, daran könne er sich nicht erinnern.

Andere hätten prüfen müssen

Mit der Verbuchung als Eigenkapital habe er nichts zu tun gehabt: "Als Vorstandsvorsitzender hatte ich ... keine Veranlassung anzunehmen, dass die Accounting-Abteilung die Eigenmittelbestandteile nicht richtig bucht." Diese Abteilung hätte also prüfen müssen, ob es eigenkapitalschädliche Nebenvereinbarungen gibt.

Als im August oder September 2008 erstmals Fragen aufkamen, "ob hier nicht ... Fehler entstanden sind", sei er "umso ärgerlicher" gewesen. Zu "großen Nachforschungen, wie solche Ungereimtheiten begonnen haben", sei damals, finanzkrisenbedingt, aber keine Zeit geblieben. "In Anbetracht der damaligen Situation ging es mir ... darum, diese Probleme mit Blick auf die Zukunft auszuräumen", sagte Berlin laut Protokollen aus.

Auch bei der Vorzugsdividende (2,5 Mio. Euro; mangels Gewinn hätte die in den Augen des Anklägers nicht bezahlt werden dürfen) dürfte sich Berlin nicht verantwortlich fühlen. "Ich bin ... bei meiner Entscheidung dem vorformulierten Textvorschlag der Fachabteilung ... gefolgt." Die Accounter hätten den Auftrag gehabt, das Thema ordnungsgemäß abzuwicklen, "ich ging davon aus, dass diesem Auftrag entsprochen wurde" . An der Kompetenz der Fachabteilungen habe er nicht gezweifelt, "im Gegenteil", meinte Berlin unter Bezugnahe auf "neue Vorstandsmitglieder mit besten Referenzen". Berlin: "Es bestand die Hoffnung, dass es sich hier um ein fachlich qualifiziertes Team handelte." (red, DER STANDARD; 19.11.2013)

 

(red, DER STANDARD, 19.11.2013)