Wien – Eine Feuersbrunst? Nein, die wollte Peter M. nicht herbeiführen, beteuert er. "Was wollten Sie denn?", fragt Ingrid Altmann, Vorsitzende des Schöffensenates, den 56-jährigen Angeklagten. "A bissi an Schodn. Dass die Leit einen Tag nicht mehr dort sitzen können, wenn i vorbeifahr."

Genauer, die Leute sollten nicht mehr im Schanigarten eines Pubs in einem Einkaufszentrum der Wiener Per-Albin-Hanson-Siedlung sitzen. Dort sei er, wenn er zum Einkaufen unterwegs war, beim Vorbeifahren immer angestänkert und verspottet worden, schildert der seit einem Unfall im Jahr 1997 im Rollstuhl sitzende Mann.

Das Mittel zum Zweck der Gästevertreibung waren zwei Bierflaschen. Die randvoll mit Benzin waren und einen Stofffetzen als Docht hatten – also Molotowcocktails. "Woher wissen Sie denn, wie man sowas macht?", will Altmann wissen. "I glaub von zuviel Computerspielen", erhält sie als nicht näher ausgeführte Replik.

Laut Staatsanwältin habe er die beiden Brandsätze in der Nacht des 28. Augusts gegen die Scheibe des Lokals geschmissen, da er es niederbrennen wollte. Nur weil die Scheiben aus Sicherheitsglas waren, sei das misslungen.

Schanigarten unbrauchbar machen

Verteidigerin Heike Sporn versucht engagiert, den Vorwurf der Brandstiftung abzuschwächen: "Er wollte den Leuten dort einen Denkzettel verpassen und erreichen, dass die Tische und Stühle unbrauchbar werden." Und selbst der Brandsachverständige sage ja, dass die Flaschen keinen Großbrand hätten auslösen können, führt Sporn aus.

Was nur zum Teil stimmt. Experte Andreas Kocum erklärt zwar, dass das richtige Rezept für den flammenden Cocktail ein Teil Benzin und zwei Teile Öl sind. Da nur Benzin verwendet wurde, blieb das Feuer klein. Nur: Wären die Scheiben geborsten und der Brandsatz ins Innere des Lokals gelangt, wäre es heikel geworden. Dort gab es schließlich Holzvertäfelungen und viel Stoff.

Der 18-fach Vorbestrafte bleibt dabei – er wollte nur die Terrasse verwüsten, ein Feuer im Lokal habe er nie geplant. Wie dann der Sprung in die Scheibe kam, weiß er nicht.

Seit zehn Jahren Hausverbot

Der psychiatrische Sachverständige Wolfgang Soukop attestiert, dass M., der in dem Pub übrigens wegen aggressiven Verhaltens seit über zehn Jahren Hauverbot hat, zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war. Dass das Motiv sein Zorn auf die ihn hänselnden Gäste sei, hält der Experte aber für möglich. "Das hat für mich durchaus ehrlich geklungen."

Der Senat glaubt das nicht und folgt nach einer halben Stunde Beratung der Anklage: Bei einem Strafrahmen von ein bis zehn Jahren Haft erhält M. für versuchte Brandstiftung, nicht rechtskräftig, drei Jahre unbedingt. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 21.11.2013)