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Der Seminole Edmund Harjo ist einer der letzten noch lebenden Codetalker aus dem Zweiten Weltkrieg.

Foto: AP Photo/Manuel Balce Ceneta

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Die meisten konnten aber nur noch posthum geehrt werden. Die Hopi Elieia Chapella etwa nahm die Auszeichnung für ihren verstorbenen Ehemann Frank entgegen.

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Washington - Regisseur John Woo setzte ihnen 2002 mit dem Film "Windtalkers" ein Denkmal: Amerikanischen Ureinwohnern, die während des Zweiten Weltkriegs militärische Botschaften mit einem unknackbaren Code versahen - ihren Muttersprachen. Offizielle Ehren folgten ebenfalls spät, und eine letzte Gruppe ist erst jetzt ausgezeichnet worden. 250 Menschen erhielten für ihre Verdienste während des Kriegs die Ehrenmedaille des Kongresses. Für fast alle von ihnen war es eine posthume Ehrung.

Diese Sprachen werden nur auf dem Gebiet der USA und Kanadas gesprochen. Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges waren sie außerdem kaum verschriftlicht, nur wenige hochspezialisierte Linguisten kannten sich mit Wortschatz und Grammatik aus. Deutsche und japanische Aufklärungseinheiten bissen sich an den Funksprüchen der "Codetalker" die Zähne aus. 

"Das ist lange überfällig"

Die größte Gruppe unter den Codetalkern waren Navajo, die für ihren Verschlüsselungseinsatz bereits im Jahr 2000 mit der Goldenen Ehrenmedaille des Kongresses ausgezeichnet worden waren. Die Angehörigen anderer Völker  - etwa Comanche, Seminolen oder Hopi - mussten bis 2008 warten, ehe der Kongress dafür stimmte, ihnen die gleiche Ehre zukommen zu lassen. Bis zur Verleihung in Washington verstrichen dann noch einmal fünf Jahre. "Das ist lange überfällig", sagte Wallace Coffey, der dem Volk der Comanche vorsteht, zu der späten Ehrung. Aus seinem Volk dienten 17 Codetalker der US-Armee, ihre Sprache Numurekwa'etuu bot militärischen Geheimnissen einen praktisch perfekten Schutz.

Im 19. Jahrhundert verfolgte die US-Regierung noch das Ziel, die Kulturen der nordamerikanischen Ureinwohner zu beseitigen. Viele von ihnen wurden erst während des Ersten Weltkrieges US-Staatsbürger, oft im Gegenzug für einen Militärdienst. Zu dieser Zeit wurden ihre zuvor missachteten Sprachen plötzlich als wertvoll erkannt: Schon gegen Ende des Ersten Weltkrieges setzte das US-Militär einige Ureinwohner als "lebende Chiffriermaschinen" ein, vier von ihnen waren Comanche.

"Und die Deutschen haben kein Stück von dem verstanden, was sie gesagt haben", sagt der Historiker Lanny Asepermy vom Veteranenverband der Comanche. Eine Generation später im Zweiten Weltkrieg spielten die Codetalker dann eine wichtige Rolle bei den Schlachten in Europa gegen Nazi-Deutschland und gegen Japan im Pazifik.

Ein Mittel gegen den "verrückten weißen Mann"

Der Code wurde nie ausgehebelt - was auch daran lag, dass die Sprache selbst noch mit Geheimausdrücken verschlüsselt wurde. "Vogel" etwa bedeutete Flugzeug, "schwangerer Vogel" stand für "Bomber". Für Adolf Hitler galt der Codename "verrückter weißer Mann". Oft wurde auch das lateinische Alphabet mit Wörtern aus indigenen Sprachen buchstabiert. In der Navajo-Sprache ist "moasi" beispielsweise das Wort für "Katze", Englisch "cat". "Moasi" stand damit für den Buchstaben "C".

Die 84-jährige Irene Permansu Lane ist eine von drei noch lebenden Frauen von Comanche-Codetalkern. Sie nahm am Mittwoch im Kongress die Auszeichnung für ihren 1963 verstorbenen Ehemann Melvin Permansu entgegen. "Ich bin einfach überfroh, dass ihnen endlich Anerkennung für das gezollt wird, was sie getan haben", sagte sie. Dem 58-jährigen John Parker kommen die Tränen, wenn er über seinen Vater Simmons Parker spricht. "Mein Vater konnte nicht stolzer sein, seinem Land auf diese Weise gedient zu haben", sagte er. (APA/red, derStandard.at, 21. 11. 2013)