Wien - Spuren von Gewaltanwendung sind oft schwer erkennbar oder aber nach wenigen Tagen bereits verschwunden. Mithilfe der Magnetresonanztomografie sollen diese zukünftig wieder sichtbar gemacht werden und so als Beweismittel dienen. Diese Kooperation zwischen Innenministerium und dem Ludwig Boltzmann Institut für Klinisch Forensische Bildgebung (LBI CFI) wurde am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien vorgestellt.

Noch steht die Untersuchung nur direkt beim LBI CFI in Graz zur Verfügung. Neu ist jedoch der "niederschwellige Zugang", wie Eva Scheurer, Leiterin des LCI CFI betonte. Denn sowohl Staatsanwaltschaft oder Polizei als auch Gewaltopfer selbst können sich an das Institut wenden und eine Magnetresonanztomografie (MRT) beantragen. "Wir hoffen, dass so diese Untersuchung in Zukunft state of the art wird", ergänzte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner.

Nachhaltigkeit der Beweisführung

Die Untersuchung soll vor allem dann zu Tragen kommen, "wenn Aussage gegen Aussage steht", wie Mikl-Leitner erklärte, und die Spuren der Gewalttaten oberflächlich nicht oder nicht mehr sichtbar sind. Wenden sich Gewaltopfer direkt an das Institut, können die Befunde und Ergebnisse bei einer späteren Anzeige als Beweismittel verwendet werden. "Es geht hier um die Nachhaltigkeit der Beweisführung", so Mikl-Leitner.

Durch die neue Untersuchungsmethode werden vor allem Hinweise in Fällen von häuslicher Gewalt und Kindesmissbrauch erhofft: "Oft stehen da schon jahrelange Leidensgeschichten dahinter. Wir wollen Opfern helfen, die Gewaltspirale zu durchbrechen," sagt Mikl-Leitern. Allerdings könne die Methode natürlich auch zum Einsatz kommen, um Verdächtige zu entlasten.

Frage nach Fremdeinwirkung

"In einer Studie hat sich gezeigt, dass wir kleine Einblutungen, die bei einer Würgeattacke entstehen, bis zu zehn Tage nach dem Ereignis nachweisen können", erklärt Eva Scheurer, vom Ludwig Boltzmann Institut für Klinisch Forensische Bildgebung. Auch Quetschungen oder Blutunterlaufungen können so sichtbar gemacht und die Frage nach der Fremdeinwirkung beantwortet werden.

Zwar sei ein MRT natürlich bei weitem kein neues bildgebendes Verfahren, allerdings weichen die klassischen medizinischen Fragestellungen stark von den forensischen ab, wie Scheurer erklärte. Ein interdisziplinäres Team aus Informatikern und Medizinern arbeite deshalb an der Weiterentwicklung der Untersuchung. "Wichtig ist, dass wir die Gewaltopfer so früh wie möglich sehen", sagte die Leiterin des LBI CFI.  (APA/red, derStandard.at, 22.11.2013)