Ich bin Lehramtsstudentin. Wenn Sie jetzt befürchten, dass ich hier, wie einige zuvor, versuche, Ihnen zu zeigen, wie aufwändig, zeit- und kraftraubend und dennoch wenig geschätzt mein zukünftiger Beruf sein wird, dann liegen Sie falsch. Ich möchte hier keinesfalls einen Beitrag im negativen LehrerInnen-Diskurs beitragen, ganz im Gegenteil.

Ich arbeite neben dem Studium in der Buchhaltung und hatte gestern, nachdem die Medien vom Beschluss der Regierung bezüglich des neuen LehrerInnendienstrechtes regelrecht überflutet waren, ein interessantes, wenn auch emotional aufreibendes Gespräch mit meinen Kolleginnen. Ich bin äußerst dankbar für die Diskussion da ich einen tieferen Einblick "der anderen Seite" bekommen habe. Wissen Sie, meine KollegInnen arbeiten viel, sehr viel sogar, und Lob oder Anerkennung erhalten sie wenig beziehungsweise gar nicht. Zudem können sie, wie in so vielen anderen Bereichen der Privatwirtschaft ebenso, von einem "sicheren Job" nicht reden.

Privatwirtschaft

Überstunden, und das nicht nur am Monatsende, sondern generell, gehören dazu. Fünf Wochen Urlaub - offiziell ja, aber frei einteilen ist auch nicht immer möglich. Hinzu kommt, dass das Unternehmen von einer großen Umstrukturierung betroffen ist und meine KollegInnen mehr oder weniger gezwungen sind mitzuschwimmen. Und wer erhebt die Stimme und macht das Leid von meinen KollegInnen publik? Niemand, es sei denn, sie gehören einer Berufsgruppe an, die ebenso wie die LehrerInnen von einer starken Gewerkschaft vertreten werden.

In den Medien bekommen wir hauptsächlich negative Schlagzeilen vom Lehrerberuf. Neues Dienstrecht - Nein! Viel Aufwand (obwohl de facto zwanzig Stunden gearbeitet wird), viel zu viel Urlaub, kein Arbeitsplatz, Burnout etc. Dass ein Großteil der Gesellschaft, vor allem all jene, die privat keine LehrerInnen kennen, ein so negatives Bild meiner Berufsgruppe hat, verwundert mich mittlerweile nicht mehr. Denn wie bereits vorher erwähnt, die Stimmen, die eigentlich den Großteil unserer Gesellschaft ausmachen, hört keiner, oder zumindest werden sie nicht in den Medien gezeigt. Dies soll aber keineswegs bedeuten, dass ich, meine StudienkollegInnen und all jene, die bereits lange den Lehrerberuf ausüben, nicht wissen, wie es in anderen Berufssparten aussieht. Auch wir haben Familie, Bekannte, Freunde, die nicht im Bildungsbereich tätig sind.

Menschen eine Stimme geben

Ich möchte einerseits diesen Menschen eine Stimme verschaffen, aber genauso all jenen LehrerInnen, deren Stimme nicht gehört wird beziehungsweise zurzeit neben den zahlreichen (nachvollziehbaren) Verteidigungsversuchen untergehen. Ich weiß nicht, ob ich Glück hatte und hauptsächlich (nicht ausschließlich) LehrerInnen begegnet bin, die engagiert und motiviert waren, aber ich möchte hier gerne ein paar Erfahrungen teilen. Abgesehen vom medialen Lehrerbashing, welches zuvor genauso andere Berufsgruppen betroffen hat, habe ich nie, von keinem Lehrer, von keiner Lehrerin, ein Klagen darüber gehört, dass er oder sie öffentlich zu wenig Anerkennung bekommt.

In diesen Begegnungen fand ein Austausch statt, der mir fachliche sowie didaktische Tipps vermittelte. Diese LehrerInnen waren aber ihrerseits genauso an den Unterrichtsmethoden, die heute im Lehramtsstudium vermittelt werden, interessiert - und das auf freiwilliger Basis. Ich habe auch abseits der Uni Kontakt mit diversen Schulen aufgenommen und wurde zum Hospitieren von Unterrichtsstunden eingeladen - die LehrerInnen sowie DirektorInnen hatten dadurch, im Gegensatz zu den bezahlten Fachpraktika, keinen direkten Profit. Dieses Entgegenkommen, so glaube ich, ist in anderen Berufssparten selten möglich oder gar erwünscht, beziehungsweise haben Angestellte selten ein Mitspracherecht, falls sich jemand zum "Schnuppern" ankündigt und an einem Austausch interessiert ist.

Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen

Aber nun zum eigentlichen Grund, weshalb ich mich zu dieser Stellungnahme entschlossen habe. Wie soeben erwähnt, habe ich durch meine Praktika während des Studiums und auch privat einige LehrerInnen kennengelernt. Wenn ich Ihnen jetzt sagen würde, dass alle von Ihnen einen glücklichen Eindruck gemacht haben, würde ich lügen - Beschwerden gab es keine, aber Frustration muss man nicht unbedingt in Worte fassen, um sie zu erkennen. Aber wenn ich in einer Schulklasse sitze und sehe, dass der Großteil der SchülerInnen gemeinsam mit der Lehrperson über ein Unterrichtsthema diskutiert, eigene Erfahrungen, Perspektiven zum Teil des Unterrichtes werden, und zwar in einem Miteinander, in einem Austausch - das sind genau diese Momente, die mich inspirieren, das sind Momente, die mich erneut in meiner Berufswahl bekräftigen, und das sind LehrerInnen die mir zeigen, dass die Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen wertvoll ist, und zwar gegenseitig wertvoll.

Kein anderer Beruf als dieser

Genau solche Momente sind es, durch die ich mir momentan keinen anderen Beruf für mich vorstellen könnte. Sie finden diese Einstellung illusionistisch, naiv? Möglich. Ich kann es nicht sagen, aber falls ich mich in fünf, zehn oder zwanzig Jahren fragen sollte, was mich bewegt hat, diesen Beruf zu ergreifen, dann möchte ich auf diesen Text zurückblicken und mich erinnern. (Leserkommentar, Patricia Fischer, derStandard.at, 22.11.2013)