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Magnus Carlsen (22) ist der 16. Weltmeister im Schach.

Foto: REUTERS/Babu

Im März 2004 fiel in der Schachkolumne des STANDARD zum ersten Mal das Spiel eines schweigsamen Buben aus Norwegen auf. Magnus Carlsen aus Lommedalen nahe Oslo verlor beim Turnier von Reykjavík zwar gegen Garri Kasparow, aber der 13-Jährige hatte den russischen Ex-Weltmeister lang geärgert. Wenig später bezeichnete ihn Kasparow als kommenden Weltmeister und sollte recht behalten.

Mit dem souveränen Gewinn des Titels gegen Viswanathan Anand ist Carlsen am Ziel eines vorgezeichneten Weges angelangt. Das Match war ein Kampf der Generationen. Auf der einen Seite der eher zurückgezogene Anand, ein Großmeister des 20. Jahrhunderts, der sein Handwerk noch aus Büchern erlernt hatte. Auf der anderen Seite der jugendliche und medienbewusste Carlsen, dessen Medium der Computer ist.

Binnen drei Jahren Großmeister

Mit 22 Jahren ist Carlsen einer der jüngsten Weltmeister der Schachgeschichte, zwei Jahre jünger als Michael Tal 1960 und nur um zwei Monate älter als Kasparow bei seinem Triumph über Anatoli Karpow 1985. Bereits seit drei Jahren führt Carlsen unumstritten die Weltrangliste an.

Schach erlernte Carlsen im Alter von fünf Jahren von seinem Vater Henrik, einem begabten Amateur und EDV-Techniker. 2001 erfolgte sein Einstieg in die internationale Schachszene. Innerhalb von nur drei Jahren war Carlsen Großmeister, auf seinen Reisen wird er häufig von seinen Schwestern und seinem Vater begleitet, der sein Management übernahm.

Großen Anteil am Erfolg Carlsens hat sein Trainer, der Großmeister und ehemalige Fußball-Nationalspieler Simon Agdestein (46). Ohne Erfolgsdruck durfte Carlsen systematisch sein Talent entfalten. Ab 2010 hat er praktisch alle wichtigen Eliteturniere gewonnen und sich im Vorjahr in London für die WM qualifiziert.

Carlsen verfügt über ein außergewöhnliches Gedächtnis und eine für sein Alter untypische mentale Stärke. Statt anzugreifen (und mitunter zu verlieren), wartet er auf winzige Unebenheiten im Spiel des Gegners und erhöht wie Bobby Fischer dann den Druck unbarmherzig. Hervorstechendes Merkmal ist seine ungeheure Präzision. In vielem ähnelt sein Stil daher dem des kubanischen Weltmeisters José Raúl Capablanca.

2007 spielte Carlsen die einzig bekannte Partie eines Großmeisters gegen dessen Vater. Beim offenen Turnier in Tromsö wurden Vater und Sohn gegeneinander gelost. Papa Henrik wehrte sich tapfer und gab dann im 37. Zug beruhigt auf.  (ruf & ehn, DER STANDARD, 23.11.2013)