Wien - Die rot-grüne Stadtregierung beschloss am Dienstag im Kulturausschuss, die Subvention für die Vereinigten Bühnen Wien massiv anzuheben. Auf den ersten Blick fällt die Erhöhung nicht auf: Der Konzern erhält 37,1 Millionen Euro - wie im Jahr 2013. Die VBW bespielen das Theater an der Wien mit Oper sowie das Ronacher und das Raimundtheater mit Musical.

Doch für das Jahr 2014 gibt es irritierenderweise einen weiteren Förderakt: VBW-Generaldirektor Thomas Drozda ersuchte um zusätzliche 4,9 Millionen Euro - nur für das Musicalorchester. Im Jahr 2012 hatte Drozda die Orchesterkosten mit 4,4 Millionen beziffert.

Insgesamt erhält der Konzern also 42 Millionen - und damit um 13,2 Prozent mehr. Isabella Leeb, die Kultursprecherin der Wiener Volkspartei, übt schärfste Kritik. Für sie sind die VBW "ein Fass ohne Boden", die Erhöhung sei durch nichts zu rechtfertigen.

Klaus Werner-Lobo, Kultursprecher der Wiener Grünen, vermerkte auf seiner Homepage, dass es sich um "eine der schmerzhaftesten Entscheidungen" handle, seit er Kulturpolitiker ist: "Die freie Szene und kleinere Theater, aber auch größere Häuser wie das Volkstheater sind fast durch die Bank unterfinanziert. Gleichzeitig passiert nun das, wogegen ich mich immer gewehrt habe: Weil ein großer Kulturkonzern, der mit rund der Hälfte des Wiener Theaterbudgets gefördert wird, mit der gewährten Subvention nicht auskommt und mit Stellenabbau droht, soll ihm für zwei Jahre eine Zusatzförderung in Millionenhöhe gewährt werden, während ein großer Teil der Kulturschaffenden weiterhin prekär arbeitet."

Im Gespräch mit dem Standard sagt Werner-Lobo: "Wir wollen nicht schuld sein, wenn 150 Menschen gekündigt werden müssen." Mit seinem Vorschlag, auch die Subventionen für die freie Szene anzuheben, sei er gescheitert.

Drozda stellt hingegen in Abrede, mit Entlassungen gedroht zu haben. Das Beratungsunternehmen Infora hätte ihm einen Mehrbedarf von 7,6 Millionen Euro bestätigt. Man könne die Subvention der Leistung - oder die Leistung der Subvention anpassen. Er, so Drozda, sei froh, dass die Koalition die Subvention anpasse.

Erstaunlicherweise gibt es aber noch einen dritten Förderakt. Für die Opernproduktion Iphigenie es Aulide, die im Herbst 2014 zu sehen sein wird, erbittet man 80.000 Euro, um die Wiener Symphoniker bezahlen zu können. Leeb erinnert daran, dass Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) die Symphoniker im Dezember 2004 als das "Hausorchester" des Theaters an der Wien bezeichnete: Das vor dem Konkurs gerettete Orchester der Stadt werde drei Opern pro Saison spielen - und für die Mitwirkung keine Quer- oder zusätzliche Subvention erhalten. Nun suchten eben die VBW um weiteres Geld an. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 27.11.2013)