Wien – Die Casinos Austria AG macht in Argentinien vorerst kein Spiel mehr. Die Provinzregierung von Salta im Nordwesten des Landes hat dem österreichischen Anbieter für Spielbanken und Lotterien die Lizenz entzogen. STANDARD-Recherchen haben ergeben, dass die Vorwürfe weiter reichen als bisher bekannt.

Die Regulierungsbehörde Ente Regulador del Juego de Azar (Enreja) wirft der Casag nicht weniger als „systematische Verstöße gegen Anti-Geldwäsche-Bestimmungen" vor, wie deren Chef Sergio Mendoza erklärte. Die Aussagen wurden auf der Homepage des Wirtschaftsministeriums der Provinzregierung veröffentlicht. Über Details werden keine Angaben gemacht. Aus Sicht der Casinos-Tochter sind die Vorwürfe nicht nachvollziehbar. Nach der Entscheidung über den Konzessionsentzug im August ging der Konzern in Berufung, blitzte vergangene Woche aber neuerlich ab. Auch gegen diese Entscheidung will die Casag Rechtsmittel einlegen und darüber hinaus eine einstweilige Verfügung beantragen, mit der der Entzug der Lizenz aufgeschoben werden soll.

Einstweilen wurde der Betrieb eingestellt, allerdings werden auch Gespräche über die Wiederaufnahme der Spielbanken, Lotterie und Automatenhallen geführt, heißt es. Argentinische Medien spekulierten zudem darüber, dass sich der österreichische Konzern an ein internationales Schiedsgericht wenden könnte, sollten die Gerichte neuerlich gegen die Casinos Austria entscheiden. Offiziell heißt es, dass eine einvernehmliche Entscheidung angestrebt werde.

Anhebung der Abgabe

Die lokale Tochter der Casinos Austria International, Enjasa, verfügt über eine Konzession für 30 Jahre für alle Glücksspielbereiche in Salta, sie läuft bis 2030. Von den Spielerträgen werden 16 Prozent abgeführt, offenbar verlangt die Provinz eine Anhebung der Abgabe auf 20 Prozent. Lokale Medien berichten, dass der Anbieter Video Drome die Lizenz übernehmen könnte und auch bereit wäre, die höhere Glücksspielabgabe zu leisten.

Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens sind die Vorwürfe in Argentinien für die Casag höchst unangenehm, wie aus dem Unternehmen zu hören ist. Es wird einerseits darauf verwiesen, dass sich die Affäre negativ auf die laufende Vergabe von drei zusätzlichen Lizenzen in Wien und Niederösterreich auswirken könnte, bei der die Casag gegen Novomatic, Century Casinos und die deutsche Gauselmann-Gruppe angetreten ist. Andererseits wollen sich die Casag-Eigentümer, darunter Raiffeisen, das der Kirche zuzurechnende Bankhaus Schellhammer und Schattera sowie die der Nationalbank gehörende Münze Österreich nicht gerne mit Geldwäschevorwürfen in Verbindung bringen lassen.

Letztlich platzt die Causa Argentinien mitten in die Koalitionsverhandlungen, bei denen die Übertragung der Münze-Anteile an die Staatsholding ÖIAG diskutiert werden soll. Insider können sich in weiterer Folge einen Verkauf der öffentlichen Drittelbeteiligung vorstellen. Die Münze müsste freilich angemessen entschädigt werden, heißt es aus Eigentümerkreisen. (as, DER STANDARD, 28.11.2013)