Tokio - Zwei improvisierte Raketen sind nahe eines US-Stützpunkts bei der japanischen Hauptstadt Tokio abgefeuert worden. Der Vorfall habe sich am Donnerstagabend gegen 23.30 Uhr Ortszeit nahe der US-Militärbasis Yokota ereignet, sagte ein Polizeisprecher. Anrainer hätten die Polizei alarmiert, nachdem sie mehrere Explosionen gehört hatten. Vor Ort seien Stahlrohre, Kabel und Batterien gefunden worden.

Bisher seien aber keine Schäden oder Opfer festgestellt worden. Auch die Raketen oder die Einschlagstellen seien nicht gefunden worden.

Richtung Flugfeld

Medienberichten zufolge waren die Rohre im Boden vergraben und wiesen in Richtung des Flugfelds von Yokota. Jiji Press berichtete, zwar gebe es bisher kein Bekennerschreiben, doch verdächtige die Polizei linksradikale Gruppierungen. Laut dem Fernsehsender NTV konzentrieren sich die Ermittlungen auf eine Gruppe, von der am Donnerstag ein Führungsmitglied festgenommen worden war. Vor vier Jahren hatte es einen ähnlichen Vorfall gegeben, nachdem die Polizei Verstecke der selben Gruppe durchsucht hatte.

Linksextremismus in Japan

In japan sind mehrere linksextreme Organisationen aktiv. Die bekannteste war die "Japanische Rote Armee", die allerdings bereits 2001 ihre Auflösung bekanntgab. Die Gruppe entführte mehrfach Flugzeuge und verübte Anschläge auf westliche Botschaften. 1972 verübte die Organisation einen Anschlag auf den Flughafen von Tel Aviv, bei dem 24 Menschen getötet wurden.

Die USA haben fast 50.000 Soldaten mit ihren Familien in Japan stationiert. Die beiden Länder haben zwar ein Verteidigungsbündnis, doch ist die Präsenz der US-Soldaten zunehmend unpopulär. Besonders auf der südlichen Insel Okinawa, auf der der Großteil der Truppen stationiert ist, gibt es seit Jahren heftige Proteste. Grund sind unter anderem wiederholte Vergewaltigungen durch US-Soldaten. Gewaltsame Übergriffe auf die US-Truppen oder ihre Standorte sind aber selten.

Spannung mit China

Der Vorfall ereignet sich zudem inmitten erhöhter Spannungen zwischen Japan und China, das jüngst im Streit um eine unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer eine "Luftverteidigungszone" in der Region ausrief. Peking erhebt seit Jahren Anspruch auf die von Tokio kontrollierte Inselgruppe, die in Japan Senkaku und in China Diaoyu genannt wird. Die chinesische Regierung entsendet immer wieder Kriegsschiffe in das Gebiet um die Inseln und provoziert damit ärgerliche Reaktionen in Tokio. (APA, 29.11.2013)