Wer Hunde und Kinder hasst, kann kein schlechter Mensch sein, heißt ein bekannter Satz des US-Schauspielers W. C. Fields. Auf die österreichische Gegenwart umgelegt, müsste der Satz lauten: Wer Pandabären und Kinder hasst, kann kein schlechter Mensch sein.

Denn: Die traditionell von jedem Felltier faszinierte hiesige Öffentlichkeit ist neuerdings in einem Ausmaß verpandabärisiert, dass man statt "aufganseln" eigentlich lieber "aufpandeln" sagen sollte. Kein Tag vergeht, ohne dass sich nicht ein Pandabärenberichterstatter des Langen und Breiten über die "süßen Pandabären" ausließe, wobei in Wahrheit eh schon jeder die Übersicht verloren hat, ob das schwarz-weiße Vieh in Schönbrunn nun Fu Long, King Kong, Ding Dong oder Ping Pong heißt.

Aber wurscht: Unsere Boulevardzeitungskaiser glauben derzeit offenbar, dass ein Pandabär gamsiger wirkt als selbst Miley Cyrus herself. Ich würde mich keineswegs wundern, wenn ich eines Abends Wolfgang Fellner in einem maßgeschneiderten Pandabärenkostüm über den Naschmarkt schnüren sähe.

Die Wahrheit über den angeblich "süßen" Panda ist freilich prosaischer. Erstens ist der Pandabär rücksichtslos, weil er andere liebe Tierbabys (Stinktiere, Nacktmulle, Kreuzottern) brutal aus den Schlagzeilen verdrängt.

Zweitens neigt der Pandabär, seinen Augenringen nach zu urteilen, zum Alkoholismus. Drittens ist er faul, zu faul zum Kopulieren jedenfalls, sonst wäre er ja nicht ständig vom Aussterben bedroht. Anstatt einmal im Sinn der Arterhaltung ein ordentliches Rohr zu verlegen, fläzt er lieber phlegmatisch im wohltemperierten Gehege herum und frisst Eukalyptusblätter. Die onanistische Selbstbezogenheit, die der Dichter Robert Gernhardt in einem legendären Zweizeiler einem anderen Bären zugeschrieben hat ("Der Kragenbär, der holt sich munter / einen nach dem andern runter") trifft offenbar auf den Pandabären genauso zu.

Daher sollte man den "süßen" Pandabären nicht hofieren, sondern besser verspeisen. Eine klassische Zubereitungsart ist "Pandabär süß-sauer": Man nehme zwei bis drei gut abgehangene Pandabären, ziehe sie ab und schnetzle sie. Mit Zwiebeln, Knoblauch, kleingehackten Ananasschnitzen und einer Prise Zucker weichbraten. Schmeckt nicht nur bärig, sondern ist auch das probate Gegengift gegen die gängige Medienbärenplage. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 30.11./1.12.2013)