Kairo - Der ägyptische Blogger Alaa Abdel-Fattah bleibt weiter in Untersuchungshaft. Der Polit-Aktivist - schon 2011 eine Symbolfigur bei den Protesten, die zur Absetzung von Hosni Mubarak geführt hatten - war am Donnerstagabend festgenommen worden. Die Haft wurde am Sonntag laut Nachrichtenportal Ahram Online um 15 Tage verlängert. Er wird beschuldigt, das rigide Demonstrationsgesetz verletzt zu haben.

Ahmed Maher, ein Anführer der Bewegung vom 6. April - er war am Samstag festgenommen worden - ist hingegen wieder auf freiem Fuß. Auch ihm wird ein Bruch der neuen Regelungen für die Abhaltung von Kundgebungen vorgeworfen.

Unterdessen hat ein Komitee mit der Abstimmung über einen Entwurf für eine neue ägyptische Verfassung begonnen. Insgesamt sollen die Mitglieder des Komitees über 247 Verfassungsartikel befinden. Das Grundgesetz soll die von den Islamisten beeinflusste Verfassung von 2012 ersetzen. Das Militär hatte sie nach dem Sturz des Präsidenten Mohammed Morsi außer Kraft gesetzt. Die neue Verfassung sieht für islamische Religionsgelehrte keine Rolle mehr in der Gesetzgebung vor.

In dem Komitee sind Vertreter politischer Parteien, der Zivilgesellschaft, Armee, Sicherheitskräfte und Religionsgemeinschaften vertreten - darunter aber nur zwei Islamisten. Das Gremium hat 50 Mitglieder.

Die Verfassung ist Teil eines von der Armee entworfenen politischen Übergangsplans für das nordafrikanische Land. Dieser sieht für das kommende Jahr auch Parlaments- und Präsidentschaftswahlen vor. Nimmt die Versammlung den Entwurf an, soll Übergangspräsident Adly Mansur darüber ein landesweites Referendum ausrufen.

Kritik an Behörden

Nach seiner zeitweiligen Entführung in Kairo hat der deutsch-ägyptische Publizist Hamed Abdel-Samad schwere Vorwürfe gegen die Behörden erhoben. "Der ägyptische Staat hat vollkommen versagt, was meine Sicherheit betrifft", sagte er zu Spiegel Online.

Eine politische Motivation für sein Kidnapping gab es offenbar nicht: "Ich bin von Kriminellen entführt worden", so Abdel-Samad, der drei Tage lang verschollen war. (red, DER STANDARD, 2.12.2013)