Graz - Eine innovative Vorrichtung, welche die Behandlung von Augentumoren erleichtert, ist an Grazer Universitäten in Kooperation mit einem steirischen Unternehmen entwickelt worden: Anstatt die Augenmuskeln des Patienten für die strahlentherapeutische Behandlung mittels chirurgischer Fäden zu fixieren, übernimmt ein optisches System die Kontrolle der Augenbewegungen, teilte die Med-Uni am Dienstag mit.

Die Strahlentherapie bei Augentumoren ist eine unangenehme und auch schmerzhafte Prozedur: Das Auge muss für die Behandlung fixiert werden, um eine exakte Bestrahlung des Tumors zu gewährleisten. Dazu werden die Augenmuskeln unter Anästhesie mit chirurgischen Fäden an einem Rahmen festgehalten, der wiederum am Schädelknochen verschraubt wird, schilderte der Grazer Augenmediziner und Tumorspezialist Werner Wackernagel auf Rückfrage der APA den bisherigen Standard.

Berührungslose Kontrolle

Im Rahmen der steirischen Entwicklungskooperation haben Tumormediziner der Augenklinik, Strahlentherapie-Radioonkologen, Bildverarbeitungsspezialisten, Maschinenbauer und Automatisierungstechniker einen Weg gefunden, der die invasive Fixierung des Auges ersetzen kann. "Der Kopf des Patienten kann nun mit einer thermoplastischen Gesichtsmaske ruhiggestellt werden. Die exakte Position und Blickrichtung des Auges wird während der gesamten Behandlung optisch - und damit berührungslos - kontrolliert", erklärte Wackernagel das neue Prinzip hinter dem "MedEye-Trac".

Im MR-Tomografen wird die "Referenz-Position" des zu behandelnden Auges festgelegt. Bei den Bestrahlungen am Linearbeschleuniger kann die Übereinstimmung der Augenposition dann mit diesen Referenzbedingungen in Echtzeit kontrolliert werden. Ein Kamerasystem ermittelt die Relativposition der Augen zu einer Sollposition zehnmal pro Sekunde. Weicht der Blick des Patienten aus dem Toleranzbereich der Sollposition zu stark ab, wird automatisch im Bruchteil einer Sekunde die Abschaltung des Bestrahlungsgerätes veranlasst. Das in Grambach bei Graz ansässige Automatisierung-Unternehmen "M&R Automation" war für den Bau eines im medizinischen Alltag anwendbaren Pilottypen zuständig. Im Frühjahr 2014 wird er erstmals im Rahmen einer Studie an der Augenklinik zum Einsatz gebracht. (APA, 3.12.2013)