Mit 1. Jänner 2014 tritt das Steuerabkommen zwischen Österreich und Liechtenstein in Kraft. Damit wird insbesondere Rechtssicherheit bezüglich der Besteuerung liechtensteinischer Privatstiftungen mit Österreichbezug geschaffen.

Bisher hat die österreichische Finanzverwaltung liechtensteinische Stiftungen meist als transparent und damit steuerlich nicht existent behandelt. Die Besteuerung der Erträge der Stiftung erfolgte direkt beim Stifter. Das neue Abkommen enthält nun erstmals eine Richtschnur, unter welchen Kriterien eine Stiftung in Liechtenstein von Österreich als eigenes Steuersubjekt, und damit als intransparent, anerkannt wird.

Die folgenden Kriterien müssen alle erfüllt sein:

  • Weder der Stifter noch ein Begünstigter oder eine nahestehende Person dieser beiden sind Mitglied im Stiftungsrat oder in einem Gremium, dem Weisungsbefugnisse gegenüber dem Stiftungsrat zustehen.
  • Weder der Stifter noch Begünstigte oder diesen nahestehende Personen dürfen Stiftungsräte ohne wichtigen Grund abberufen können.
  • Es besteht kein ausdrücklicher oder konkludenter Mandatsvertrag.

Liegt eine intransparente liechtensteinische Stiftung vor, richtet sich ihre laufende Besteuerung nach liechtensteinischem Recht. Dieses ist im Vergleich zu Österreich durchaus vorteilhaft: Nicht nur laufende Erträge, sondern auch Erträge aus Veräußerung und Liquidation von Beteiligungen an in- und ausländischen Kapitalgesellschaften sind zur Gänze steuerfrei. In der österreichischen Privatstiftung besteht hingegen nur die Möglichkeit, aufgedeckte stille Reserven aus Beteiligungsveräußerungen binnen zwölf Monaten auf neue Beteiligungen zu übertragen und die Besteuerung damit um ein oder mehrere Jahre aufzuschieben.

Günstiger Steuersatz

Weiters lockt Liechtenstein mit einem günstigen Steuersatz von 12,5 Prozent, lässt (derzeit) vier Prozent Eigenkapitalzinsabzug zu und besteuert beispielsweise nur 20 Prozent der Einkünfte aus gewissen Immaterialgüterrechten - etwa geschützte Patente, Marken, aber auch Software -, was einem Steuersatz von 2,5 Prozent gleichkommt. Erreicht die Stiftung in Liechtenstein den Status einer rein vermögensverwaltenden Privatvermögensstruktur (PVS), fällt überhaupt nur die pauschale Steuer von 1200 Schweizer Franken pro Jahr an. Demgegenüber unterliegen Einkünfte einer österreichischen Privatstiftung entweder der Zwischensteuer in Höhe von 25 Prozent oder der Körperschaftsteuer von 25 Prozent.

Wermutstropfen ist die Stiftungseingangssteuer. Sie beträgt für österreichische Privatstiftungen, deren Urkunden der Finanzverwaltung offengelegt werden, 2,5 Prozent. Wendet ein Österreicher einer liechtensteinischen Privatstiftung Vermögen zu, fallen ebenfalls bei Offenlegung der Urkunden gegenüber der österreichischen Finanzverwaltung fünf Prozent bzw. 7,5 Prozent (PVS) Eingangssteuer an.

Ein "Belastungsvergleich" der beiden Stiftungssysteme zeigt, dass dieser Eingangsnachteil in wenigen Jahren durch die günstigere laufende Besteuerung in Liechtenstein wettgemacht werden kann. Ab diesem Break-even beginnt der Thesaurierungsvorteil der liechtensteinischen Privatstiftung zu wirken.

Das Blatt kann sich jedoch im Fall von Zuwendungen, insbesondere von sogenannten Substanzzuwendungen, wieder zugunsten der österreichischen Privatstiftung wenden. Zuwendungen unterliegen in beiden Fällen einer 25-prozentigen Zuwendungssteuer (KESt) mit Endbesteuerungswirkung beim Begünstigten.

Die Privatstiftung kann sich im Fall von Österreich die bisher gezahlten Zwischensteuern anrechnen, im Fall von Liechtenstein kann die liechtensteinische Steuer angerechnet werden. Erst zum Zeitpunkt der Zuwendung werden somit die laufenden "Zwischensteuern" zu endgültigen Steuern, und zwar in beiden Fällen mit dem gleichen Steuersatz von 25 Prozent. Je nach Höhe der Zuwendung können sich die Stiftungen daher die bisher gezahlten Zwischensteuern ganz oder teilweise zurückholen, wobei das Rückforderungspotenzial aufgrund des niedrigeren Steuersatzes in Liechtenstein viel geringer und daher eher ausgeschöpft ist.

Noch krasser wird der Unterschied im Falle von Substanzauszahlungen. Diese liegen vor, wenn der Betrag der Zuwendungen nicht in den bisher erwirtschafteten Gewinnen gedeckt ist und daher aus der "Substanz" bedient werden muss. Bei österreichischen Privatstiftungen können in diesem Fall die entsprechenden anteiligen Stiftungseingangswerte abgezogen werden, das heißt die Substanzauszahlung ist steuerfrei. Bei liechtensteinischen Stiftungen sind steuerfreie Substanzauszahlungen hingegen sehr eingeschränkt möglich und jedenfalls nur, wenn sie an den Stifter zurückfließen.

Vorteile für Österreich

Betrachtet man die Gesamtsteuerbelastung einer österreichischen und einer liechtensteinischen Stiftung im Vergleich, kann die österreichische Stiftung - trotz höherer laufender Besteuerung und damit eines Thesaurierungsnachteils - aufgrund des Zwischensteuersystems und der steuerfreien Substanzauszahlungen am Ende der Stiftung möglicherweise durchaus besser abschneiden.

Denn der Thesaurierungsvorteil muss nicht nur die höhere Stiftungseingangssteuer erwirtschaften, sondern zusätzlich auch ein Viertel des gestifteten Vermögens. In Zahlen heißt das: Die Rendite der überwiegend nur zwischenzeitig gesparten Steuer muss zumindest 27,5 Prozent der Stiftungseingangswerte erwirtschaften, damit am Ende des Tages in Liechtenstein mehr Vermögen übrig bleibt.

Je größer daher das gestiftete Vermögen, umso schwieriger ist es und länger dauert es, bis der Thesaurierungsvorteil auch tatsächlich einen Vermögensvorteil bringt. Die liechtensteinische Privatstiftung bietet sich daher bei rein steuerlicher Betrachtung eher für den Vermögensaufbau als für die Bewahrung und Verwaltung bestehender großer Vermögen an.

Vorteile für Liechtenstein

Bei insgesamt geringeren Strukturkosten - es sind nur zwei Stiftungsräte nötig - und vielleicht auch dem einen oder anderen zivilrechtlichen Vorteil kann eine mit geringem Vermögen errichtete liechtensteinische Stiftung für Österreicher durchaus interessant sein. Gründet oder erwirbt diese Stiftung beispielsweise für neue Projekte eine Kapitalgesellschaft mit hohem Entwicklungspotenzial, sind spätere Veräußerungserlöse in der liechtensteinischen Stiftung bis zur Zuwendung steuerfrei.

Und noch einen Vorteil bietet Liechtenstein ab 2014: Wer die Stiftungsurkunden nicht offenlegen möchte, zahlt in Österreich 25 Prozent Stiftungseingangssteuer, die Stiftung unterliegt in diesem Fall dem normalen KöSt-Regime - das heißt keine anrechenbare Zwischensteuer - und wird zudem der Geldwäschemeldestelle gemeldet.

In Liechtenstein fallen dank des neuen Abkommens jedoch nur 7,5 Prozent bzw. zehn Prozent (PVS) Eingangssteuer an, und es bleibt bei der günstigen und auf Zuwendungen anrechenbaren laufenden Besteuerung von 12,5 Prozent (bzw. 1200 Schweizer Franken p. a. Flat Tax bei der PVS). In diesem Fall ist daher Liechtenstein klar zu bevorzugen. (Christina Pichler, DER STANDARD, 4.12.2013)