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Der chinesische Yuan übernimmt gerade im asiatischen Warenverkehr eine immer wichtigere Rolle als Leitwährung.

Foto: EPA/Young

Peking/Wien - Der chinesische Yuan hat den Euro als zweitwichtigste Währung in der globalen Handelsfinanzierung abgelöst. Der Anteil des Yuan ist im November auf 8,6 Prozent gestiegen. Anfang 2012 waren es gerade einmal 1,9 Prozent, geht aus Daten von Swift hervor, dem auf internationale Finanztransaktionen spezialisierten Unternehmen.

"Der Yuan ist eine der Topwährungen für die weltweite Handelsfinanzierung und in Asien sogar noch wichtiger", sagt Franck de Praetere, Leiter für Zahlungsverkehr und Handel bei Swift in Asien. Doch was wie ein Meilenstein aussieht, ist für Ökonomen lediglich ein weiteres Steinchen auf dem Weg zum liberalisierten Kapitalverkehr in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Tatsächlich ist die Währungspolitik ein wichtiger Punkt auf der Agenda der chinesischen Zentralbank (PBoC). Im November hatten Vertreter der chinesischen Notenbank mögliche Reformschritte angekündigt: "Es liegt nicht in Chinas Interesse, weiter Währungsreserven zu akkumulieren", sagte etwa Yi Gang, ein stellvertretender Gouverneur. Ein weiteres Mitglied der PBoC kündigte ein Ende der "normalen", täglichen Währungsintervention an. Nach wie vor lässt die Zentralbank den Yuan nur allmählich gegen den US-Dollar aufwerten und häuft so Devisenreserven an. Gegen eine rasche Liberalisierung sind Vertreter der etablierten Exportindustrie, die unter einer teureren Währung leiden würden.

Kapitalfreiheit in kleinen Dosen

Kapitalfreiheit gibt es nach wie vor nur in kleinen Dosen - so hat China eine Freihandelszone in Schanghai angekündigt und in Hongkong einen liquiden Yuan-Markt entwickelt. Unternehmen haben dort zuletzt immer mehr "Dim Sum Bonds" begeben, das Wachstum dieses Marktsegment ist im November dank der Nachfrage internationaler Anleger so stark gewesen wie seit Juli 2012 nicht mehr. Einlagen, die in Yuan denominiert sind, haben im Oktober ein Allzeithoch von 782 Mrd. Yuan erreicht (95 Mrd. Euro).

Chinas Führung hat Anfang November weitreichende Reformen für die Wirtschaft versprochen, um das Wachstum langfristig zu sichern. "Die Frage bleibt, ob sie auch umgesetzt werden", sagt Qinwei Wang, Ökonom bei Capital Economics. Er hält etwa die jüngsten Daten zur Handelsfinanzierung für "verzerrend". Hinter den gestiegenen Handelsfinanzierungen verstecken sich auch Investitionen von internationalen Anlegern, die bestehende Regeln umgehen wollen. Tatsächlich machte der Anteil des Yuan an der globalen Handelsfinanzierung bereits vor einem Jahr einen größeren Anteil als der Euro aus. Doch eine Verschärfung der Regulierung gegen illegitime Rechnungslegung hatte den Anteil des Yuan wieder abschmelzen lassen.

Trotzdem sei die Richtung klar vorgegeben, sagt Diana Choyleva, die die makroökonomische Analyse bei Lombard Street Research in London leitet: "Es ist bedeutsam, dass China Fortschritte bei der Internationalisierung des Yuan macht, auch bei der Handelsfinanzierung." Choyleva ist überzeugt, dass China nicht ohne Liberalisierung des Kapitalverkehrs auskommt, "in den nächsten zwei, drei Jahren" müsste es so weit sein.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hatte im September bereits eine Studie veröffentlicht, derzufolge Chinas Yuan erstmals in die Top Ten der meistgehandelten Währungen aufgestiegen ist. Vor zehn Jahren lag der Anteil noch bei 0,1 Prozent, und China machte einen geringeren Teil am globalen Währungsmarkt aus als das viel kleinere Ungarn. (sulu,DER STANDARD, 4.12.2013)