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In den 1990er Jahren war Slowenien erpicht, möglichst viel in staatlicher Hand zu halten.

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Laibach/Wien - Das Diktat der leeren (Staats-)Kassen könnte dafür sorgen, dass Slowenien seine Privatisierungspläne mit mehr Engagement als bisher vorantreibt. Insgesamt will sich der slowenische Staat aus 15 staatlichen Betrieben zurückziehen. Anfang 2014 soll eine staatliche Holding stehen mit der Aufgabe, die Privatisierungen umzusetzen. Ein entsprechendes Gesetz soll kommende Woche ins Parlament geschickt werden.

Zu den 15 auf der Privatisierungsliste stehenden Unternehmen gehören u. a. Adria Airways, der Klebstoffhersteller Aero, Skiproduzent Elan, der Flughafen Ljubljana, Nova Kreditna banka Maribor (NKBM), Telekom Slovenije, das Messegelände Gospodarsko razstavisce, der Taschentuchproduzent Paloma, der der Backwarenproduzent Zito sowie der Lackhersteller Helios.

Verkauft wurde bisher nur Helios, auch wenn das Closing (rechtlich bindender Abschluss der Transaktion) noch aussteht. Die Wiener Ring International Holding (RIH) hat sich im Oktober um 520 Euro je Aktie 73,12 Prozent des Unternehmens gesichert, was einem Transaktionswert von rund 250 Mio. Euro entspricht.

Für Elan liegen Angebote vor, der Skierzeuger könnte als Ganzes oder in Teilen verkauft werden. Eine Entscheidung wird im Frühjahr erwartet.

Im Fall der Marburger Bank NKBM gibt es informelle Gespräche mit potenziellen Investoren. Die NKBM wird für die Kapitalaufstockung etwa 400 Millionen Euro brauchen. Die meisten Privatisierungen werden erst nach der Bankensanierung vorgenommen werden, also warten alle auf den 13. Dezember. Da sollen die Resultate der Stresstests Aufschluss über das Ausmaß der notwendigen Rekapitalisierung der angeschlagenen staatlichen Banken geben. Dann könne auch der Privatisierungsprozess weitergehen, sagte der Ökonom Joze Damijan dem Standard: "Weil dann auch Aktienanteile der schwer verschuldeten staatlichen Betriebe in die Bad Bank transferiert werden sollen." Die Betriebe werden danach restrukturiert oder liquidiert.

Zweiter Privatisierungsprozess

Damijan spricht von einem "zweiten Privatisierungsprozess". Der erste hätte schon in den 1990er Jahren stattfinden sollen. Damals war Slowenien aber erpicht, möglichst viel in staatlicher Hand zu halten. "Nun werden nicht viele der mittelgroßen oder großen Unternehmen in inländischer Hand bleiben," prognostiziert Damijan. Für die Performance dieser Unternehmen sei das gut.

Interessenten gibt es bereits für die Telekom Slovenije und Zito. Für Telekom Slovenije ist die Deutsche Bank als Berater im Gespräch. Hier erwartet man den größten Gewinn für Slowenien - etwa 500 Millionen Euro.

Mit und rund um Helios stehen nach dem für Februar erwarteten Closing gravierende Änderungen an. "Helios wird unsere zentrale Marke, der sich Rembrandtin und die anderen unterordnen werden," sagte RIH-Chef Gerald Martens. Das Management werde ausgetauscht, für die Mitarbeiter gibt es eine Beschäftigungsgarantie. Die gemeinsame Lackdivision wird 450 Mio. Euro Umsatz machen und die Nummer zehn am europäischen Lackmarkt sein. Weitere Zukäufe seien geplant, sagte Martens. (Günther Strobl, Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 4.12.2013)