Dass der SPÖ-Beamte Andreas Stadler und der Präsidentenberater Meinhard Rauchensteiner der Meinung sind, das Wiener Kulturressort müsse zu den Grünen wandern, freut einen natürlich. Dass ausgerechnet ein Sozialdemokrat den Grünen dann die Zustimmung zur vorübergehenden Subventionserhöhung der Vereinigten Bühnen Wien anlastet, ist allerdings nicht ohne Witz.

Ja, auch ich halte es für verkehrt, dem Kulturtanker VBW bedingungslos noch mehr Steuergeld zu geben, während kleine Kulturinitiativen und ein Großteil der Kulturschaffenden nur durch Selbstausbeutung überleben können. Meine Freunde Stadler und Rauchensteiner wissen auch, wie zäh wir um eine grundlegende Reform der VBW kämpfen, um erstens eine langfristige Senkung des Subventionsbedarfs zu erzielen und zweitens sicherzustellen, dass mit der Förderung nicht mehr platte Musicals, sondern zeitgemäßes Musiktheater mit mehr Eigenproduktionen und einer Öffnung hin zur freien Szene finanziert wird. Es freut mich, wenn wir hier auch bei der SPÖ Verbündete haben - verbunden mit der Hoffnung, dass sie dieses Anliegen auch in ihrer eigenen Partei vorbringen.

Beide Autoren wissen als alte Polithasen auch, dass es eben nicht immer gelingt, für die eigenen Überzeugungen Mehrheiten zu finden - nicht in einer Koalition und manchmal nicht in der eigenen Partei.

Dort, wo die Grünen in der Kulturpolitik ihren Einfluss als Juniorpartner geltend machen konnten, haben sie das immer zugunsten kleinerer Initiativen und freier Künstler gemacht. So ist etwa die Wienwoche kein "grünes Grätzelfest", sondern steht jedem offen - samt transparentem Bewerbungsverfahren. So haben wir dafür gesorgt, dass sich autokratische Machthaber nicht mehr auf Kosten der Steuerzahler bereichern. So haben wir Künstlern aus weniger privilegierten Schichten Zugang zu Ressourcen ermöglicht. So kämpfen wir weiterhin für eine gerechtere und transparente Vergabe von Förderungen und Leitungsfunktionen.

Das Konzept "Too big to fail", das bei den VBW zum Tragen kam, halte ich für ebenso falsch wie viele meiner sozialdemokratischen Freunde. In Abwandlung eines Spruchs über Bankenrettungspakete könnte man sagen: Wären die Kulturschaffenden dieser Stadt ein Kulturtanker, hätten wir sie längst gerettet. Das können wir Grünen aber nicht allein. Deshalb freut uns Unterstützung von jeder Seite. Wir werden sie brauchen. (Klaus Werner-Lobo, DER STANDARD, 5.12.2013)